Das puritanische Paradigma

Ein Gastbeitrag von unserem Leser Erik Jochem

Von Karl Marx stammt bekanntlich die Devise, die Philosophen hätten die Welt nur verschieden interpretiert, es komme aber darauf an, sie zu verändern.

Darin steckt – weit tiefgründiger als der vermeintliche Aufruf zur Revolution – die Erkenntnis, dass unsere praktische Existenz nicht so sehr von den letzten Fragen abhängt, sondern von den ersten, nämlich was wer wie herstellt und produziert und wem das Ergebnis zu Gute kommt. Das Verständnis – oder eben auch die Interpretation – dieser ersten Fragen, hat das Zeug, mit unserer Weltsicht und den daraus folgenden praktischen Konsequenzen unsere materiellen Existenzbedingungen maßgeblich zu prägen und zu verändern.

Die Volkswirtschaftler sind darum in diesem Sinne die Philosophen der Moderne und Marx widmete sein Leben maßgeblich der Frage, wie Volkswirtschaft funktioniert.

1.

Wie Volkswirtschaft funktioniert, ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist die, was wir warum glauben, wie sie funktioniert.

Das wiederum ist keine volkswirtschaftliche, sondern eine kulturelle Fragestellung, die darum nicht weniger dringend beantwortet werden muss. Denn was nützt das beste Verständnis der Funktionsweise der Volkswirtschaft, wenn die Öffentlichkeit das Gegenteil glaubt? [...]

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