Archiv flassbeck-economics | 15.04.2016 (editiert am 25.05.2016)

Linke Gassenhauer, rechte Klassenbauer

Für Bernie Sanders, dem wir auf unserer englischen Seite schon einige Stücke gewidmet haben, schlägt nächsten Dienstag im amerikanischen Vorwahlkampf die Stunde der Wahrheit. Mittlerweile begreifen auch Teile der deutschen Presse, dass man den Mann und die Bewegung, die er in den USA ausgelöst hat, ernst nehmen muss. Selbst Spiegel-Online kann ihn nicht weiter nur als „Sozialisten“ oder linken Spinner abtun.

Das hindert aber natürlich einen ordentlichen Spiegel-Journalisten nicht daran, weiterhin blöde Seitenhiebe auszuteilen, wann immer es möglich ist. So schreibt Roland Nelles (hier): „Sanders lädt Amerikas Linke zum Träumen ein. Sein Programm sind die gängigen linken Gassenhauer. Er fordert massive Steuererhöhungen für Reiche und Unternehmen, die Abschaffung von Studiengebühren, mehr Gerechtigkeit bei Gehältern, eine Anhebung des Mindestlohns von sieben auf 15 Dollar. Er will die großen Wall-Street-Banken zerschlagen, den Klimawandel bekämpfen, Fracking verbieten und hält globale Handelsabkommen für Teufelszeug.“

Ein linker Gassenhauer ist es also, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass die Steuersenkungen der vergangenen Jahre für reiche Personen und für die Unternehmen nichts, aber auch gar nichts gebracht haben? Ein Gassenhauer ist es, wenn man Chancengleichheit wirklich herstellen will, statt nur darüber zu reden und wenn man erkennt, dass das Zurückbleiben der Reallöhne der größte Fehler in der neueren Geschichte der Industriestaaten war? [...]

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