Archiv flassbeck-economics | 29.04.2016 (editiert am 25.05.2016)

Löhne und Preise in Deutschland

Oder warum Europa der Deflation auch in zwanzig Jahren nicht entkommen kann – Teil 3

In der ganzen Diskussion um Löhne und Lohnverhandlungen wird üblicherweise die Produktivität als gegeben angenommen. Die Produktivität fällt sozusagen vom Himmel. Sie wird als Ergebnis des technischen Fortschritts angesehen und der, so die übliche Sichtweise, hat nichts mit der Lohndynamik oder der gesamtwirtschaftlichen Dynamik zu tun. Das ist mehr als fragwürdig.

In einem marktwirtschaftlichen System fällt nichts vom Himmel, sondern alles ist Ergebnis der wirtschaftlichen Dynamik, die ihrerseits von der Wirtschaftspolitik einschließlich der Lohnpolitik stark geprägt wird. Insbesondere die Investitionstätigkeit, die der wichtigste Träger des technischen Fortschritts ist, ist abhängig von der Dynamik der Gesamtwirtschaft und von dem Druck, den der Wettbewerb für jedes einzelne Unternehmen schafft.

Wenn wir von Produktivität sprechen, dann sprechen wir hier von der Produktivität der Arbeitskraft oder Arbeitsproduktivität. Im Gegensatz zu dem, was die neoklassische Kapitaltheorie behauptet, liegt hier die entscheidende Größe, die über Erfolg oder Misserfolg von wirtschaftlicher Entwicklung entscheidet. Und es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Entlohnung der Arbeit darüber entscheidet, wie groß die Anstrengungen der Unternehmen sind, um Arbeit durch Kapital zu ersetzen.

Und das, machen wir uns nichts vor, [...]

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