Archiv flassbeck-economics | 01.04.2016 (editiert am 25.05.2016)

Otmar Issing: Helikoptergeld ist Bankrotterklärung der EZB – Wer aber ist der Bankrotteur?

Es ist schon interessant zu sehen, wie aufgeregt die deutsche Ökonomengemeinde auf die bloße Erwähnung von Helikoptergeld durch die EZB reagiert. Besonders toll ist, dass der langjährige Chefvolkwirt der EZB, Otmar Issing, die Idee allein schon für eine Bankrotterklärung der europäischen Geldpolitik hält (hier). Laut FAZ sagte er: „Die ganze Idee des helicopter money halte ich für besorgniserregend, für geradezu verheerend. Denn das ist ja nichts anderes als eine Bankrotterklärung der Geldpolitik.“ Die kleine Frage ist nur, wer hat die EZB „so weit“ gebracht, dass sie ernsthaft über diese „Bankrotterklärung“ nachdenkt? Wer ist der Bankrotteur?

Hier erklärt einer seinen eigenen Bankrott! Er war der Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank in der Vorbereitungsphase des Euro. Er übernahm als erster das Amt des Chefvolkswirts der EZB, das er von 1998 bis 2006 innehatte. Wer hat denn die Weichen so falsch gestellt, dass die EZB heute auch die außergewöhnlichsten Maßnahmen nicht ausschließen kann, um eine andauernde Deflation und Stagnation im Euroraum zu vermeiden?

Wer hat denn so fest an den Monetarismus geglaubt, dass er absolut davon überzeugt war, die Notenbank könne jederzeit mit Hilfe der Steuerung einer Geldmenge Inflation und Deflation vermeiden? Wer hat denn der EZB den sogenannten Zwei-Säulen-Ansatz aufgedrückt, der (fälschlicherweise!) suggeriert, es gebe weiterhin die monetaristische Option einer Steuerung der Geldmenge? Wer hat denn jeden Versuch abgewehrt, über die wirklich relevanten Zusammenhänge zu reden, weil das gegen seine neoklassischen Glaubenssätze verstoßen hätte?

Wer hat im Herbst 1998 im Ausschuss der Finanzstaatsekretäre im Beisein von Herrn Issing die anderen Ländervertreter aufgefordert, über Lohnkoordination zu reden, um einen Abwertungswettlauf mit Hilfe der Löhne zu verhindern? Und wer hat als erster die Hände gehoben und heftig protestiert, weil es bei den deutschen Lohnsenkungen ja um die Marktkräfte handele, die immer richtig liegen?

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Issing und seine geistigen Helfershelfer haben unglaublichen Schaden in Europa angerichtet, weil sie jeden anderen Zusammenhang als den monetaristischen (zwischen einer Geldmenge und den Preisen) mit allen Mitteln, die man sich nur denken kann, als Teufelszeug bekämpft haben. Jetzt, wo es für jeden halbwegs vernunftbegabten Menschen (auch und gerade in den Zentralbanken dieser Welt) klar ist, dass es diesen Zusammenhang nicht gibt, wäre es gut, wenn diejenigen, die so fundamental falsch gelegen haben, einfach schweigen würden.

 

 

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