Arbeiter auf einem Gerüst
Arbeit | 27.05.2016 (editiert am 01.06.2016)

Das deutsche Lohnregime und der Merkantilismus

Die langjährige deutsche Lohnzurückhaltung ist für die Europäische Währungsunion fatal. Haben das starke deutsche Gewerkschaften gewollt – oder sind sie so schwach, dass sie diese Entwicklung nicht verhindern konnten?

Die Unfähigkeit der Teilnehmer des Euro, ihre Lohnauftriebe zu synchronisieren, hat sich als Sollbruchstelle der Währungsunion erwiesen – ein Umstand, der in der internationalen Fachdebatte außerhalb Deutschlands kaum noch bestritten wird. Erhebliche Uneinigkeit besteht aber, wenn es um die Frage geht, warum gerade Deutschland im realen Abwertungswettlauf, der mit der Eurogründung einsetze, so exzeptionell vorpreschte.

Manche Teilnehmer der Debatte verweisen auf die Erosion genau jener Merkmale, die für das „koordinierte“ bzw. „organisierte“ deutsche Lohnregime einst typisch waren, insbesondere auf den Rückgang der tarifvertraglichen Deckungsraten. „Koordiniert“ heißt hier: Die Lohnpolitik ist vergleichsweise gut steuerbar, weil die Verbände stark sind und sich Abschlüsse mit Pilotfunktion über Regionen und Sektoren hinweg ausbreiten. Wer also auf den Niedergang der Lohnkoordination verweist, deutet die deutsche Lohnzurückhaltung primär als von den Gewerkschaften nicht beabsichtigten Effekt strukturellen Wandels.

Ich habe in einer Reihe von Veröffentlichungen eine Gegenposition eingenommen und argumentiert, dass man die Gewerkschaften nicht davon freisprechen kann, an der Strategie der realen Abwertung gegenüber den europäischen Nachbarn aktiv mitgewirkt zu haben. [...]

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