Genial daneben | 14.06.2016 (editiert am 07.07.2016)

Die FAZ und der IWF

Wir wollen in dieser Rubrik immer wieder Stücke aufgreifen, die so genial daneben sind, dass sie ganz besonderen Anschauungsunterricht für die Konfusion der herrschenden Lehre bieten und auch ohne große Kommentierung unsererseits einfach „für sich selbst sprechen“.

Ein solches Stück hat gerade Winand von Petersdorff in der FAZ bei dem Versuch geboten, die jüngste Relativierung einiger Mainstream-Ideen durch den IWF zu relativieren.

Zur Relativierung der Kapitalverkehrsfreiheit durch die IWF-Ökonomen schreibt von Petersdorff:

„Das war gewiss kein kleiner Schritt für den Fonds. Er wäre noch überzeugender, könnten die wackeren Ökonomen die Alternativen benennen. Woher sollen aufstrebende Länder mit geringer Ersparnis das Kapital nehmen, um ihren Aufschwung zu finanzieren?“

Wir fragen uns, wie eigentlich die Länder, die im Laufe der Geschichte zuerst die Armut überwunden haben, das zustande gebracht haben. Denn weder hatten sie eigene Ersparnisse, noch reiche Länder, die ihnen Kapital zur Verfügung hätten stellen können. Wenn sie nicht gestorben sind, sind sie heute noch arm.

Zur Austerität bemerkt von Petersdorff scharfsinnig:

„Das überrascht dann doch. Deutschlands fiskalische Vorsorge ermöglicht immerhin, Flüchtlingskrisen und einen höheren Militärhaushalt zu finanzieren und zudem für die armen europäischen Brüder Garantien abzugeben. Zugleich ist nicht zu erkennen, dass die Sparpolitik zu großen Verwerfungen geführt hätte, während hohe Staatsdefizite die deutschen Konsumenten vielleicht doch verunsichert hätten.“

Da hat er Recht. Deutschlands „fiskalische Vorsorge“, die nur dadurch möglich ist, dass die anderen Europäer jedes Jahr hohe Schulden machen, erlaubt es, die Schuldenmacher zu retten. Merke: Wer einem anderen erst den Mantel wegnimmt, um ihn dann zu zerteilen und den anderen vor dem Erfrieren zu retten, ist noch lange kein St. Martin.

Zum Thema einer solchen falsch verstandene Solidarität hier ein kleines Stück von Heiner Flassbeck aus dem Jahr 2011 zum Nachhören und Nachdenken.

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