Europa | 01.06.2016 (editiert am 14.02.2017)

Die Merkantilisten

Vor zwei Jahrzehnten begannen Deutschland, die Schweiz und Österreich auf eine Politik der Lohnzurückhaltung zu setzen. Doch diese merkantilistische Strategie ist nicht beliebig lange durchzuhalten.

Teil 2

Was ist passiert in der Schweiz und den Ländern, die irgendwann vor etwa zwanzig Jahren begannen, eine Politik der Lohnzurückhaltung in die Tat umzusetzen. Abbildung 1 zeigt, dass die Schweiz ab Mitte der neunziger Jahren ganz ähnlich wie Deutschland und Österreich begann, merkantilistische Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Als hätte man sich verabredet, begannen alle drei Länder Mitte der neunziger Jahre offenbar, ihre Lohnpolitik vollkommen anders auszurichten. Statt die Nominallöhne an den Produktivitätszuwachs plus einer Zielinflationsrate anzupassen, wurden die Nominallöhne nur noch in Höhe des Produktivitätszuwachses gesteigert, die Lohnstückkosten blieben zwischen 1995 und 2007 fast konstant.


Abb 1: Lohnstückkosten in nationaler Währung


Ob es eine bewusste Entscheidung oder eher Zufall war, ist schwer zu sagen, aber unzweifelhaft ist, dass in den drei deutschsprachigen Ländern eine Politik  gefahren wurde, die einfach nicht mehr zu einer Inflationsentwicklung in der Nähe von zwei Prozent passte, sondern darunter lag und damit deflatorische Züge annahm. Die Lohnstückkosten sind weder in Deutschland, noch in Österreich und der Schweiz (in nationaler Währung berechnet) in einer Weise gestiegen, [...]

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