Soziales | 08.07.2016 (editiert am 14.07.2016)

Abschied von der Linken

Links sein ist nicht mehr das, was es einmal war. Das verdeutlicht nicht nur die Konzept- und Hilflosigkeit der europäischen Sozialdemokratien, sondern auch die Verwässerung linker Ideale insgesamt – besonders bei der Jugend.

Im Campus Magazin der Zeit ist am 22. Juni ein bemerkenswertes Interview mit dem Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel erschienen (hier). Es ist deshalb so interessant, weil es eine kurzweilige, aber dennoch messerscharfe Analyse einer Transformation liefert.

Und Merkel, selbst parteiloses Vollmitglied der Grundwertekommission der SPD, kennt sich aus mit Transformationstheorien. Eine handelt davon, was große Teile der jungen, studentischen Generation heute unter dem Label „Links“ versteht, dem sich eine Mehrheit dieses Milieus immerhin zugehörig fühlt. Und das ist sowohl denkwürdig als auch erhellend.

Denkwürdig ist es, weil man Zeuge eines Zeitgeistes wird, in dem das Label den Inhalt ersetzt ‒ oder aber der Inhalt bis zur Unkenntlichkeit verwässert wurde. „Links“ ist in diesem Kontext etwa so wie „Bio“ oder „Grün“: Was darauf steht, muss noch lange nicht drinstecken. Vielmehr ist es beliebig, dialektisch begrenzt, im Habitus entgrenzt, Hauptsache politisch korrekt und im Trend. Es ist soft, zahm, aber ohne erzählerische, empirische oder intellektuelle Wucht. Es ist ein Offenbarungseid. [...]

Nichts schreibt sich von allein!

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