Weltwirtschaft | 08.07.2016

Der US Außenhandel und die globalen Ungleichgewichte

Obama hatte große Hoffnungen auf den Außenhandel gesetzt. Nun macht sich Ernüchterung breit. Die globalen Ungleichgewichte im Handel wachsen wieder. Erneut müssen die USA die Lokomotive der Weltwirtschaft spielen, obwohl auch ihr Wachstum dafür zu schwach ist.

Der Welthandel wächst heute ähnlich langsam wie die Weltwirtschaft. Und dabei wollen doch alle gern durch freien Außenhandel schneller wachsen. Auch Amerika hatte nach der globalen Krise für seine Exporte große Hoffnungen. Davon ist genau so wenig in Erfüllung gegangen wie vom Ziel der G20, globale Ungleichgewichte dauerhaft zu verhindern.

Amerika sorgt sich um seinen Außenhandel und sieht die Globalisierung zunehmend als Bedrohung an. Nach der globalen Finanzkrise und Großen Rezession hatte man zunächst große Pläne und Hoffnungen. Die Obama-Administration betrachtete den Export als neuen Konjunkturmotor, wollte die US-Exporte in fünf Jahren verdoppeln. Wichtige neue Handelsabkommen wurden angestoßen – mit der Pazifikregion einerseits (Transpazifische Partnerschaft), mit Europa andererseits (Transatlantisches Partnerschafts- und Investitionsabkommen). Im Rahmen der G20 strebte man an, die globalen Ungleichgewichte durch stärkeren Anpassungsdruck auf die Überschussländer zu verringern. Das alles schien zunächst auch ganz gut zu klappen. Amerikas Exporte wuchsen für ein paar Jahre recht schnell. Die Verhandlungen zum TIP und TTIP wurden zu Beginn sogar von einer gewissen Euphorie begleitet, zumindest unter den politisch Verantwortlichen und bei den multinationalen Unternehmen.

Inzwischen prägt Ernüchterung das Bild. Amerikas Außenhandel stagniert, die Abkommen sind ins Stocken geraten. Was dagegen wieder wächst, sind die globalen (Leistungsbilanz-) Ungleichgewichte, die man eigentlich abbauen wollte. Das jedenfalls war das erklärte Ziel der Regierungen der G20-Staaten gewesen, die sich nach der globalen Krise auf dem G20-Gipfeltreffen in Pittsburgh im Herbst 2009 auf das hübsch klingende wirtschaftspolitische „Rahmenprogramm für starkes, nachhaltiges und gleichgewichtiges Wachstum“ verständigt hatten. Man hatte einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den vor der globalen Krise wachsenden globalen Ungleichgewichten und der Krise selbst ausgemacht. Das wollte man nicht wiederholen. Heute aber scheint sich so einiges zu wiederholen – vielleicht auch schon bald mal wieder eine satte Krise.

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Neue Ungleichgewichte

Wie steht es heute um das globale Gleichgewicht im internationalen Handel? Abbildung 1 zeigt hierzu den Kreis der Länder, die aktuell und/oder traditionell große Leistungsbilanzsalden aufgewiesen haben. Auf der Seite der Überschussländer ringen Deutschland und China zurzeit um die Spitzenreiterposition in der Welt. Beide Länder haben Leistungsbilanzüberschüsse von knapp $300 Milliarden. Deutschlands Saldo ist ausgehend von einer ausgeglichenen Position im Jahr 2000 – und abgesehen von einer kurzfristigen Verringerung während der globalen Krise von 2008/09 – stetig gestiegen und beträgt heute stolze 8,5 Prozent des nationalen BIP. China hatte vor der globalen Krise mit $400 Milliarden (9,2 Prozent des BIP) den damals mit Abstand höchsten Überschuss, der dann allerdings in den Jahren nach der Krise auf zeitweise unter $150 Milliarden (rund 2 Prozent des BIP) gesunken war, bevor es seit 2013 zu einem erneuten Anstieg kam.

Gegen das erklärte Ziel der G20 hat sich auch Korea seit der Krise entwickelt, das einen stetigen Anstieg seines Leistungsbilanzüberschusses auf heute gut $100 Milliarden erlebte. Seit dem letzten Jahr steigt auch Japans Überschuss wieder. Für dieses Jahr erwartet der IWF einen Überschuss von immerhin $167 Milliarden, womit Japan erneut die Größenordnung aus der Vorkrisenzeit erreichen würde. Saudi-Arabien dagegen hat die Seite gewechselt. Bedingt durch den Ölpreisverfall hat das Land heute keinen Leistungsbilanzüberschuss mehr, sondern ein Defizit. Saudi-Arabien steht hier auch stellvertretend für andere Ölproduzenten; Krisenländer wie Nigeria und Venezuela sind ebenfalls von dieser Entwicklung stark betroffen.

Neben diesen „typischen Verdächtigten“ zeigt Abbildung 1 auch die Eurozone insgesamt, also einschließlich Deutschlands. Der IWF prognostiziert, dass die Eurozone in diesem Jahr den alten chinesischen Rekord aus der Vorkrisenzeit in Höhe von gut $400 Milliarden einstellen wird, was über 3,5 Prozent des BIP der Eurozone entspräche. Deutschland liefert hierzu natürlich den wichtigsten Beitrag. Aber auch die drei anderen großen Länder Frankreich, Italien und Spanien haben ihre Leistungsbilanzposition angesichts anhaltender Rezession und eines schwachen Euro in den letzten Jahren deutlich verbessert. Dasselbe trifft auch für die kleineren Mitgliedsländer der Eurozone zu. Und dann gibt es da natürlich auch noch die Niederlande, die ähnlich notorisch wie Deutschland alljährlich Überschüsse von über $80 Milliarden (gut 10 Prozent des BIP) einfahren. Kurz gesagt, der Beitrag der Eurozone zum „starken, nachhaltigen und gleichgewichtigen Wachstum“ der Weltwirtschaft hat darin bestanden, ausgehend von einer ausgeglichenen Position, einen Überschuss von 3-4 Prozent des BIP – Tendenz steigend! – einzufahren und der globalen Nachfrage damit rund $400 Milliarden im Jahr zu entziehen.

Was lässt sich nun zur Nachfragequelle sagen, die das „stabilitätsorientierte“ Trittbrettfahren der Eurozone ermöglicht hat? Auf der Leistungsbilanzdefizitseite ist Spanien heute nicht mehr zu finden. Das Land hat seine damalige Defizitposition von rund $150 Milliarden in einen Überschuss von rund $20 Milliarden verwandelt, was zur Entwicklung der Position der Eurozone erheblich beigetragen hat. Weiterhin auf der Defizitseite steht dagegen das Vereinigte Königreich. Nach dem Vorkrisenhöchststand von rund $100 Milliarden im Jahr 2008 erreichte das Leistungsbilanzdefizit des Landes im Jahr 2014 einen neuen Rekord von gut $150 Milliarden (rund 5 Prozent des BIP). In der Brexit-Debatte wurde die geographische Nähe zur Eurozone als Problem und Wachstumsbremse häufig genannt. Auch dieses Ungleichgewicht betrifft mit rund $50 Milliarden insbesondere Deutschland.

Entwicklungsländer im Defizit

Die vielleicht wichtigste in Abbildung 1 gezeigte Entwicklung – auch als Spiegelbild zur Entwicklung der Eurozone – betrifft die Gruppe der „Entwicklungsländer“ insgesamt, wobei ich hier sowohl China und Saudi-Arabien, die separat zu sehen sind, nicht miteinbezogen habe. Für diesen sehr großen Kreis von Ländern sieht man hier einen markanten Umschwung von einer Überschussposition von rund $200-300 Milliarden zum Höhepunkt des globalen Booms der 2000er zu einem Defizit, das vom IWF für dieses Jahr in Höhe von rund $400 Milliarden prognostiziert wird. Die Rohstoffpreisentwicklung war sicher ein wichtiger Faktor für diesen gewaltigen Umschwung.

Den anderen Schlüsselfaktor habe ich im letzten Beitrag diskutiert: die extrem leichte Geldpolitik der Industrieländer in der Zeit seit der globalen Krise, angeführt von der US Federal Reserve. Unter der Führung der Federal Reserve sanken die Zinsen weltweit und auch in vielen Entwicklungsländern sehr stark. Kapitalzustrom und Währungsaufwertung taten ein Übriges. Das Kreditwachstum in vielen dieser Länder war rasant, vielfach in Form von US Dollarkrediten. Die Dollar-Zinsen waren geringer als die heimischen Zinsen, der Dollar wertete ab.

Dies ist der Hintergrund für die heutige Verwundbarkeit und Verbreitung von Krisen in diesen Ländern. Als Europa, traditionell Amerikas wichtigster Handelspartner, in Dauerstagnation versank, trat die Federal Reserve besonders stark aufs Gaspedal – und die globalen Wirkungen (Stichwort: „spillover effects“) hiervon zeigen sich u.a. im Umschwung der Leistungsbilanzposition der Entwicklungsländer.

Viele dieser Länder hatten vor der globalen Krise eine sehr vorsichtige Wirtschaftspolitik gefahren, häuften Währungsreserven an und versuchten die Aufwertung ihrer Währungen zu begrenzen. Ihre damals recht gute Position prädestinierte sie dazu, angeheizt von der US Federal Reserve, nach der Krise als Wachstumsmotor zu fungieren – auch und speziell um das Debakel in der Eurozone zu kompensieren. Diese Tendenzen sollen laut dem IWF ja auch noch anhalten. Starkes, nachhaltiges und gleichgewichtiges Wachstum sieht allerdings anders aus.

Und damit wären wir bei Amerika angelangt, das Land mit dem notorisch größten Leistungsbilanzdefizit. Das Leistungsbilanzdefizit der USA betrug vor der globalen Krise rund $800 Milliarden, halbierte sich dann abrupt im Zuge der Krise und verweilte danach bis zum Jahr 2014 bei etwa $400 Milliarden. Diese Entwicklung entsprach wohl auch dem erklärten Ziel der G20, globale Ungleichgewichte abzubauen. Seit 2015 scheint sich allerdings wieder eine Entwicklung zu wachsenden Defiziten durchzusetzen. Was das für das US-Wirtschaftswachstum bedeutet, ist in Abbildung 2 zu sehen.

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Abbildung 2 zeigt das Wachstum des US-BIP (nominal und real sowie die Binnennachfrage real) seit den neunziger Jahren. Als Balken sind die Wachstumsbeiträge der Nettoexporte eingezeichnet. Die Stärke des „dot.com“-Booms der Neunziger ist hier sehr gut zu sehen. Das nominale BIP wuchs rund 6 Prozent im Jahr, das reale BIP um rund 4 Prozent. Zum Höhepunkt des Booms wuchs die Binnennachfrage mit einer Rate von über 5 Prozent – während die negativen Wachstumsbeiträge der Nettoexporte Amerika erheblich bremsten, dem Rest der Welt aber wichtige Wachstumsimpulse gaben.

Das Ganze wiederholte sich dann in abgemilderter und verkürzter Form in den 2000ern. In der globalen Krise von 2008/09 bedeutete die Halbierung des US Leistungsbilanzdefizits dann natürlich einen entsprechenden Wachstumsentzug. Die Erholung der US Exporte war dann bis 2011 sehr stark. Die Obama-Administration hoffte daher auf eine Verdoppelung innerhalb von fünf Jahren. Daraus wurde aber nichts, denn seit 2012 kam kaum mehr als Stagnation dabei heraus. Auch die US-Importe wuchsen, im Vergleich zur Vorkrisenzeit, ungewöhnlich langsam. Amerika war kein starker Motor für die Weltwirtschaft mehr.

Kann es diese Rolle heute wirklich wieder übernehmen, wie so manche Beobachter glauben? Die Wachstumsbeiträge der Nettoexporte sind inzwischen wieder negativ, aber recht klein. Und da die US-Binnennachfrage nur mit rund zwei Prozent wächst, kann sich Amerika selbst das kaum wirklich leisten. Daher auch die neuen Bemühungen, gegen unfaire Währungsmanipulation und Handelsbeschränkungen anderer Länder wirksamer vorzugehen. Das Land mit dem größten Leistungsbilanzdefizit der Welt, das Land der Weltwährung US-Dollar, ist mit sich und der Welt nicht wirklich glücklich.

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Wie schlecht steht es heute um die US-Leistungsbilanz? Abbildung 3 zeigt die Entwicklung der US-Leistungsbilanz und ihrer Unterbilanzen seit 1960. In der Zeit der flexiblen Wechselkurse und liberalisierten Kapitalströme war die US-Leistungsbilanz fast immer defizitär, und zwar mit im Zeitablauf tendenziell steigenden Defiziten. Bis zur globalen Krise war das jedenfalls so. Der Saldo der Sekundäreinkommensströme, was Einkommenstransfers sowohl in Form von Entwicklungshilfe als auch Zahlungen von ausländischen Arbeitskräften an ihre Familien im Heimatland erfasst, ist erwartungsgemäß negativ. Der Saldo der Primäreinkommen, der fast ausschließlich aus Investitionseinkommen besteht, ist, was zunächst überraschen mag, positiv. Wir haben diesen Punkt im letzten Beitrag hervorgehoben: Amerika ist der größte Auslandsschuldner der Welt, erzielt aber ein positives Einkommen auf seine große negative Netto-Auslandsposition, weil die Renditen auf US-Auslandsvermögen die auf US-Auslandsschulden zu zahlenden Zinsen deutlich übertreffen.

Dieser Posten hat sich in den 2000ern aus US-Sicht sogar sehr positiv entwickelt, ist aber zuletzt gesunken. Positiv entwickelt hat sich auch der Saldo der Dienstleistungsbilanz. US-Dienstleistungsexporte sind heute in etwa halb so hoch wie Amerikas Warenexporte. Das Defizit in der US-Leistungsbilanz ist durch das sehr hohe Defizit im Warenhandel geprägt, das wertmäßig heute fast wieder die $800 Milliardenmarke aus der Vorkrisenzeit erreicht. Und dabei ist hervorzuheben, dass Amerikas Energierechnung heute um sehr viel kleiner ist. Vor der Krise machten Petroleumprodukte rund die Hälfte des US-Handelsbilanzdefizits aus. Zurzeit sind es dagegen kaum mehr als 10 Prozent. Es sind also die Nicht-Petroleumprodukte, die Amerika heute in noch deutlich größeren Mengen aus dem Ausland einkauft als vor der Krise. Hierin zeigt sich der Druck auf die US-Industrie, die sich zurzeit in einer Rezession befindet – ein Thema, das im Wahlkampf eine sehr große Rolle spielt.

Bilaterale Salden mit Vorsicht genießen

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Natürlich ist China beim Thema Außenhandel immer die Nummer 1. Wie Abbildung 4 deutlich zeigt, ist das bilaterale Ungleichgewicht gegenüber China mit rund $350 Milliarden auch in der Tat sehr groß und vom Warenhandel dominiert. Sekundäreinkommen und die nur leicht defizitäre Primäreinkommensbilanz sind unbedeutend; wobei letzteres auch mit daran liegen kann, dass China anscheinend einen erheblichen Anteil seiner US-Staatsanleihen in Belgien hält. Im Dienstleistungshandel dagegen erzielt Amerika einen wachsenden Überschuss und auch die US-Warenexporte nach China wachsen seit Jahren ebenfalls sehr kräftig, allerdings bei niedrigem Niveau. Was die sehr viel höheren US-Importe aus China betrifft, so ergibt die Messung der Handelsströme auf Brutto- statt auf Netto- oder Wertschöpfungsbasis eine gewaltige Verzerrung. Denn als „Werkbank der Welt“ leistet China die Endfertigung vieler Waren, die sehr hohe Importanteile aus anderen Ländern aufweisen. Das $350 Milliarden Defizit gegenüber China enthält zum Beispiel erhebliche japanische, koreanische und deutsche Anteile. Diese wichtige Tatsache geht in der Diskussion für gewöhnlich unter.

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Betrachtet man als nächstes den zweiten Weltspitzenreiter der Leistungsbilanzüberschüsse, so zeigt die bilaterale US-Leistungsbilanzposition gegenüber Deutschland, ähnlich wie bei China, wiederum eine klare Dominanz des Warenhandels. Die Vergrößerung des bilateralen Ungleichgewichts seit 2010 war absolut betrachtet für beide Länder ähnlich. Und ähnlich wie bei China sieht man hier auch für Deutschland am äußeren Rand Anzeichen für eine mögliche Trendwende. Die weiter oben verwendeten IWF- und OECD-Prognosen für das Jahr 2016 schreiben Trends quasi mechanisch fort. Die echten Quartalsdaten des Außenhandels deuten hier eine andere Möglichkeit an. Sie spiegeln dabei auch die extrem schwachen BIP-Zahlen des ersten Quartals deutlich wieder.

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Zuletzt dann noch ein kurzer Blick auf die Eurozone insgesamt. Im Warenhandel findet man das zu erwartende Bild: Ein hohes US-Defizit, das zuletzt allerdings geschrumpft ist. Die Leistungsbilanz zeigt dagegen nur ein überraschend kleines Defizit, weil Amerika sowohl im Dienstleistungshandel als auch beim Primäreinkommen beträchtliche und steigende Überschüsse erzielt. Amerikas Primäreinkommensüberschuss stammt insbesondere aus Direktinvestitionen. Amerikas hohe Investitionseinkommen aus Europa sind zum einen dadurch begründet, dass seit dem Zweiten Weltkrieg ein sehr hoher Bestand an Direktinvestitionen in Europa aufgebaut wurde. Seit Jahrzehnten fließen hohe Direktinvestitionsströme allerdings auch in die andere Richtung, sodass der sehr hohe Saldo zu Amerikas Gunsten schon überrascht. Hierbei handelt es sich meines Erachtens um eine weitere wichtige Verzerrung der Zahlungsbilanzstatistik, die aus dem internationalen Wettbewerb der Staaten bei der Unternehmensbesteuerung erwächst. Die hohen Überschüsse bei den Investitionseinkommen erzielt Amerika nämlich insbesondere gegenüber Luxembourg und den Niederlanden. Dort (sowie in Irland, für das keine separate Statistik vorliegt) scheinen US-Unternehmen mit Vorliebe ihre Gewinne zu buchen.

Diese Beispiele zeigen damit u.a. auch, dass bilaterale Leistungsbilanzstatistiken wichtige Verzerrungen aufweisen und mit entsprechender Vorsicht zu genießen sind. Globale Leistungsbilanzsalden leiden weniger unter dieser Problematik. Die Analyse hat hier gezeigt, dass Deutschland und die Eurozone ihre G20-Vereinbarungen in krasser Weise missachtet haben. Deutschland hält sich weder an die Regeln der Währungsunion, noch an globale Abkommen – schließlich können Überschüsse niemals Sünde sein. Gut, dass man dafür weder von der G-20 bestraft, noch vom US-Schatzamt abgemahnt wird (siehe dazu meinen Beitrag hier).

So wird Amerika seine außenwirtschaftliche Position jedenfalls kaum weiter verbessern können. Der Traum vom Export als Wachstumsmotor bleibt Wunschdenken. Seit der globalen Krise konnte Amerika seine Außenhandelsposition insbesondere gegenüber dem Kreis der Entwicklungsländer, einschließlich der Ölproduzenten, deutlich verbessern. Aber der in Abbildung 1 gezeigte Trend für diese Länder als Gruppe wird nicht bestehen können. Dort wackelt es vielerorts bereits jetzt mächtig. Und das beschreibt auch den heutigen prekären Zustand der Weltwirtschaft: Wenn alle nur auf den Export hoffen, dann hoffen alle vergeblich. Im Jahr 2009 verstand man, dass die globale Krise nur überwunden werden kann, wenn alle Länder ihre Binnennachfrage stärken. Wenn aber alle nur davon besessen sind, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, ihren Staat zu schrumpfen und die Löhne zu senken, dann nähert man sich der nächsten Krise mit großen Schritten.

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