EU | 27.07.2016 (editiert am 02.08.2016)

Und läuft und läuft und läuft – aber weshalb?

Seit der Finanzkrise 2008 ist aus den Leistungsbilanzdefiziten vieler Euroländer ein moderater Überschuss geworden. Erstaunlicherweise galt dies spiegelbildlich allerdings nicht für Deutschland. Wie lässt sich das erklären?

Seit dem Ende der globalen Wechselkursfixierung 1971 bis Anfang der 2000er Jahre war der deutsche Leistungsbilanzsaldo weitestgehend ausgeglichen. Lediglich in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre gab es eine Phase höherer Überschüsse von rund 4% des BIPs, gefolgt allerdings von einem Jahrzehnt moderater Defizite nach der Wiedervereinigung. Vom Tiefpunkt 2001 bei -2,6% des BIPs stieg der Leistungsbilanzüberschuss nahezu stetig bis zum zweiten Quartal 2008 auf 7,3% an.

Lohnstückkostenentwicklung in der EU erklären deutsche Leistungsbilanzüberschüsse

Die Entwicklung bis dahin ist mit einem Hinweis auf die deutsche Lohnmoderation (und zumindest partiell zu starke Lohnzuwächse etwa in Spanien) problemlos plausibel erklärbar. Diese Sichtweise ist zwar nicht vollkommen unbestritten, wird aber vom Autor, von Flassbeck und zahlreichen weiteren Ökonomen im In- und Ausland seit vielen Jahren vorgetragen und lässt sich sowohl empirisch als auch theoretisch leicht untermauern. Kurz zusammengefasst haben sich über unterschiedliche Lohnentwicklungen bei gleichzeitig fixierten Wechselkursen innerhalb der Eurozone die Kostenrelationen verschoben und so die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands erhöht. Hätten sich alle Volkswirtschaften an das ungeschriebene Gesetz einer Währungsunion mit geringer Arbeitsmobilität über Sprachgrenzen hinweg und mit eher geringen Transfers gehalten und die Lohnstückkostenentwicklung grob im Rahmen der Zielinflation gehalten, [...]

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