Konjunktur | 19.08.2016 (editiert am 26.08.2016)

Europäische Konjunktur im Sommer 2016: Keine Belebung nirgendwo – 2

Die Entwicklung der europäischen Wirtschaft bleibt katastrophal. Die von Eurostat gemeldete Zuwachsrate des BIP im Euroraum von 0,3 Prozent im zweiten Quartal ist genauso dubios wie die deutsche BIP-Rate von 0,4 Prozent.

Die Industrieproduktion ist auch im Juni im Euroraum insgesamt praktisch unverändert geblieben (Abbildung 1). Deutschland verzeichnet eine ganz leichte Belebung, Frankreich und Italien erneut eine Abschwächung. Die unbestreitbare Tatsache einer industriellen und konjunkturellen Entwicklung immer in unmittelbarer Nähe einer Rezession bleibt erhalten.


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Das gilt auch weiterhin für Südeuropa, wo eine Belebung noch dringender notwendig wäre (Abbildung 2). Spanien und Portugal stagnieren auf dem erreichten niedrigen Niveau und über Griechenland muss man eigentlich nicht mehr reden. Griechenland ist offenbar unrettbar einer Dauerrezession verfallen, die nur dadurch abgemildert wird, dass alle jungen, gut ausgebildeten Griechen das Land verlassen.


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Der Stagnationsmodus gilt aber auch für nördliche Länder (Abbildungen 3 und 4). In Österreich und Belgien kann man eine ganz leichte Belebung erahnen, aber die Niederlande kommen aus ihrer nun schon mehr als fünf Jahre anhaltenden Rezession nicht heraus.


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In Nordeuropa stürzt Norwegen regelrecht ab, aber auch Schweden hat erneut einen Rückschlag zu verzeichnen. In Finnland gab es zwar zuletzt eine ganz leichte Aufwärtsbewegung, aber das ändert nichts daran, dass auch dieses „Musterland“ nun fünf Jahre Rezession hinter sich hat.


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Auch im Baltikum gibt es keinen Fortschritt. Entgegen der immer noch weit verbreiteten Legende, wonach die baltischen Länder einen Aufschwung feiern, weil sie sich schnell und radikal angepasst haben, gibt es auch hier seit 2011 praktisch nur Stagnation.


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In Mittel- und Osteuropa stellt sich die Lage ähnlich dar (Abbildungen 6 und 7). In den größeren Ländern wie Polen, Ungarn und Tschechien geht die leichte Aufwärtsentwicklung immer mehr hin zu Stagnation, in den anderen wie Bulgarien und Rumänien ist die Stagnation seit 2014 eine Tatsache. In der Slowakei ist die langjährige Aufwärtsbewegung deutlich schwächer geworden. Slowenien ist es allerdings gelungen, die langjährige Stagnation zu überwinden und auf einen der Slowakei ähnlichen Wachstumspfad einzuschwenken.


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Auch in Kroatien, das eine lange Durststrecke zu überwinden hatte, hat es im vergangenen Jahr doch immerhin einen Anstieg der Industrieproduktion um etwa zehn Prozent gegeben. Ob das eine stabile Entwicklung ist, steht aber noch in den Sternen.


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In diesen kleinen Ländern, wir haben schon öfter darauf hingewiesen, spielen zum Teil westliche Unternehmen mit ihren Direktinvestitionen für die Industrieproduktion und das BIP eine große Rolle. Entsteht in einem Land eine solche Produktionsstätte neu und beginnt mit der Produktion, wird das die Industrieproduktion erheblich beeinflussen, ohne dass man daraus ablesen könnte, dass daraus eine dauerhafte Belebung entsteht.

Lesen Sie im dritten Teil, was sich in den übrigen Bereichen getan hat, also Bauwirtschaft und Einzelhandel, und welche wirtschaftspolitischen Folgerungen gezogen werden sollten.

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