Finanzsystem | 04.08.2016 (editiert am 10.08.2016)

Kann Bitcoin unsere bestehenden Währungen ersetzen?

Unser Geld-und Finanzsystem muss auf eine neue Basis gestellt werden. Sind Kryptowährungen, wie Bitcoin, eine realistische Alternative? Nein, ihre computerbasierte Allokation sowie ihre mengenmäßig begrenzte Schöpfung lassen nicht zu, unser jetziges Geldsystem zu ersetzen.

Im Juni diesen Jahres fand eine Konferenz in Zürich zu alternativen Finanz- und Geldsystemen statt (siehe hier). Das Problem der Konferenz war im Wesentlichen, dass man keinen gemeinsamen Ausgangspunkt hatte. Über das bestehende Finanz-und Geldsystem herrschten unterschiedlichste bzw. keine Vorstellungen.

Ohne sich aber über den status quo einig zu sein, macht es aber offensichtlich wenig Sinn, über Alternativen nachzudenken. Dementsprechend wurde beispielsweise erneut eine Variante von Fisher’s Vollgeld aus dem Jahre 1935 (siehe hier das Original) vorgeschlagen. Die Idee des Vollgelds ist aber keiner Alternative zum bestehenden System, wie bereits hier und hier diskutiert.

Darüber hinaus waren die zahlreichen Vertreter der Banken- und Versicherungsbranche aber vor allem aufgrund der Diskussion um sogenannte Kryptowährungen gekommen. So wird teilweise befürchtet, dass diese neuen Währungen die bestehenden Währungen ersetzen werden und dadurch der bestehenden Bankenwelt gefährlich werden könnten.

In diesem Beitrag wollen wir Bitcoin, die bekannteste Kryptowährung, etwas genauer anschauen und der Frage nachgehen, inwieweit diese Währung den Euro oder den Franken oder irgendeine andere „Fiat-Währung“ ersetzen kann. Ohne in die technischen Details zu gehen, werden wir sehen, dass Bitcoin wesentliche Eigenschaften unseres jetzigen Geldsystems nicht erfüllt und letzteres deswegen auch nicht ersetzen kann.

Bitcoin ist ein dezentrales Zahlungssystem, bei dem die Zahlungseinheit, also Bitcoins („digitale Münzen“), nicht zentral in einer Bank, sondern in einer dezentralen Datenbank („Blockchain“) erfasst und verwaltet werden. Jede Person mit einem Internetzugang kann die Bitcoin-Software installieren und ist anschließend Teil des Netzwerks. Innerhalb des Netzwerks kann man Bitcoins transferieren und Zahlungen abwickeln. Private Firmen bringen Käufer und Verkäufer von Bitcoins zusammen und ermöglichen so den Tausch von bit coins gegen Dollar oder Euro. Der Wechselkurs war in der Vergangenheit sehr volatil. Aktuell ist ein Bitcoin circa $680 wert. Die spannende Frage ist nun aber, wie Bitcoins generiert werden.

Um die Bedeutung dieser Frage zu verstehen, wollen wir zunächst einen kurzen Exkurs in die Ökonomik machen: In einer Wirtschaft deren Produktionskapazitäten nicht ausgeschöpft sind, sorgt eine optimale Wirtschaftspolitik dafür, dass zusätzliche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen geschaffen wird. Diese zusätzliche Nachfrage kann technisch grundsätzlich auf zwei Arten entstehen.

Erstens kann man dafür sorgen, dass bestehende, nicht produktiv verwendete Zahlungsmittel zurück in den Wirtschaftskreislauf geschleust werden. So ist es beispielsweise möglich, dass einige Unternehmen auf sehr viel Geld sitzen, dieses jedoch zum großen Teil in Finanzblasen ‚investieren’. In solch einem Fall kann der Staat diese Unternehmen höher besteuern, sie zwingen höhere Löhne zu zahlen, oder andere Anreize setzen, dass sich die Investitionen in Maschinen und Humankaptial mehr lohnt, als die Investition in Finanzblasen. Ein weiteres Beispiel ist die Abwrackprämie aus dem Jahre 2009, die einige sparende Bürger motivierte, ihr Erspartes für den Kauf eines Autos zu verwenden.

Die zweite Art zusätzliche Nachfrage zu schaffen besteht darin, zusätzliche Zahlungsmittel zu schaffen, also Geld zu schöpfen. In einer expandierenden Wirtschaft sind wachsende Zahlungsmittel notwendig. Idealerweise realisieren Firmen ungenutzte Produktionskapazitäten, nehmen Kredite auf, investieren und zahlen Löhne.

In unserem jetzigen Geldsystem muss eine Firma um einen Kredit zu bekommen nicht erst  auf einen Sparer warten, der sein Geld zur Bank trägt. Tatsächlich, wie oft auf Makroskop beschrieben, kann die Bank die zusätzliche Kaufkraft „aus dem Nichts“ schöpfen und via Kredite an Wirtschaftssubjekte verteilen. In einer wachsenden Wirtschaft ist es daher zu erwarten, dass die Geldmenge steigt (womöglich auch überproportional, wie hier besprochen). Die Kreditvergabe der Banken ist für die Wirtschaft also essentiell, um ungenutzte Produktionskapazitäten freizusetzen und den Investitionsprozess zu ermöglichen.

Zurück zu Bitcoin: Angenommen die Wirtschaft besitzt nun zusätzliche, ungenutzte Kapazitäten. Wie können zusätzliche Bitcoins generiert werden, um Investitionen zu ermöglichen?

Teilnehmer des Bitcoin-Netzwerks erhalten neue Bitcoins als Belohnung dafür, dass sie ihre Rechenkapazität für Transaktionen innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes zur Verfügung stellen. Dieser Prozess wird „Mining“ genannt. Einfach gesagt erhält man also ein paar Bitcoins im Gegenzug dafür, dass man die Leistung seines Computers anbietet. Für unsere Zwecke genügt es zu wissen, dass die Technik, die den Transfers von Bitcoins zugrunde liegt, entsprechende Rechenkapazitäten braucht.

Als erstes beobachten wir also, dass, einfach gesagt, zusätzliche Zahlungsmittel an Personen mit den besten Computern vergeben werden. Diese Allokation ist offensichtlich problematisch, und führt nicht automatisch dazu, dass die innovativsten Firmen investieren können. In einem funktionierenden Bankensystem hingegen haben Banken Anreize die innovativsten Unternehmer ausfindig zu machen und nur an diese Kredite zu vergeben.

Wir wollen uns aber auf einen weitern Punkt konzentrieren, der vielleicht noch eindrücklicher ist. Die maximale Anzahl an Bitcoins, die generiert werden kann, ist auf 21 Millionen begrenzt. Es ist nämlich festgesetzt, dass man für den oben beschriebenen Prozess des „Minings“ im Laufe der Zeit immer weniger Bitcoins erhält. Das entscheidende ist nun also, dass die Anzahl der Bitcoins im Laufe der Zeit immer weniger und schließlich gar nicht mehr wachsen können.

Aufgrund der computerbasierten Allokation sowie der mengenmäßig begrenzten Schöpfung von Bitcoins ist es also offensichtlich, dass Bitcoins unser jetziges Geldsystem nicht ersetzen können. Nichts desto trotz sind die Innovationen, die Bitcoin zu Grunde liegen, spannend und dürften die Finanzwelt in Ihren technischen Prozessen verändern, sowie auch Zentralbanken neue Möglichkeiten der Aufsicht geben (siehe z.B. hier einen englischsprachigen Artikel).

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