Monopoly-Brett
Finanzsystem | 16.09.2016 (editiert am 21.09.2016)

Der Geldkreislauf und der Zins

In einem modernen Geldsystem wird ständig Geld in Form von Einlagen bei Banken geschaffen und zerstört. Letzteres passiert unter anderem durch Zinszahlungen an Banken. Das hat bei einigen Lesern zu Fragen bezüglich des Geldsystems geführt. Dieser Artikel zeigt auf, warum das Geldsystem in der Praxis funktioniert und wie es theoretisch erklärbar ist.

Eine moderne Volkswirtschaft wäre ohne Geld undenkbar. Schon Marx hatte festgestellt, dass man Güter nicht mit anderen Gütern bezahlt, sondern mit Geld. Während die herrschende Neoklassik an den Universitäten noch vom Tauschhandel ausgeht, wenden sich moderne Ökonomen von dieser Vorstellung ab: Tauschhandel verdeckt den Blick auf das Bankensystem, welches eine wichtige Rolle im Kapitalismus spielt. Das zu erkennen, ist nicht an sich marxistisch oder irgendwie „links“ oder „progressiv“, sondern einfach nur „wissenschaftlich“. Geld „ist“ (ein Fakt) und ist auch wichtig für die Ökonomie, also müssen wir uns darüber ein paar Gedanken machen.

Drei mal Geldschöpfung

Einlagen in den Banken im Besitz der einheimischen Akteure werden im Wesentlichen auf drei Arten erzeugt: Durch Kreditvergabe der Banken an Haushalte und Unternehmen, Staatsausgaben und Exporte. Diese Aktionen führen jeweils dazu, dass zusätzliche Einlagen entstehen. Dem gegenüber steht die Vernichtung von Bankeinlagen durch Kredittilgung bzw. Zinszahlungen des privaten Sektors, durch Steuern und durch Importe. Bankeinlagen zirkulieren in der Wirtschaft, da wir Waren und Dienstleistungen mit „Geld“ bezahlen. Meist handelt es sich dabei um Giralgeld, ab und zu aber auch um Bargeld. Kreditkartenzahlungen sind letztlich auch Giralgeld. Wer Geld ausgibt, sorgt für Einkommen anderswo, so dass die Wirtschaft angeregt wird, wenn zusätzliche Einlagen verausgabt werden. Irgendwann entsteht auch Inflation, aber nur dann, wenn die Produktionskapazitäten ausgereizt sind und es zu Lohnsteigerungen und generellen Preiserhöhungen kommt.

Innerhalb einer solchen Wirtschaft, in der Gütererwerb und Geldsystem miteinander verschränkt sind, gibt es auch Zinszahlungen. Dabei werden Einlagen an Banken übertragen, die dann verschwinden. Diese Einlagen wurden wie alle anderen Einlagen erzeugt, es gibt also keine besonderen Einlagen, die nur für Zinszahlungen geschaffen werden. Bankeinlagen sind Bankeinlagen – wie das Geld geschöpft worden ist, weiß kein Mensch! Es werden ja nur Beträge auf Konten erhöht bzw. reduziert, insofern ist das wie der Spielstand eines Computer- oder Fußballspiels. Am Ende gewinnt der mit den höchsten Punkten oder meisten Toren – und zwar unabhängig davon, wie diese erlangt wurden.

Zinszahlungen – no problemo!

Wenn nun im Geldsystem durch Zinszahlungen Bankeneinlagen vernichtet werden, warum funktioniert es dann so lange? Sind nicht die Bankeinlagen irgendwann weg? Die Antwort auf eine solche Frage betont die anderen fünf Arten der Geldschöpfung bzw. -vernichtung. Wenn beispielsweise die Steuern in etwa so stark sinken wie die Zinszahlungen ansteigen, dann haben wir kein Problem. Ebenfalls könnten eine steigende Kreditvergabe oder steigende Staatsausgaben dazu führen, dass mehr neue Einlagen in den Geldkreislauf fließen. Zumindest letzteres ist ja ein Normalzustand: der Staat ist im Defizit, weil er mehr ausgibt als er einnimmt!

Im Übrigen ist das Problem mit den Zinsen ein mikroökonomisches: es kommt auf die Verteilung an. Wenn die Schuldner keine Einkommen haben, dann kann noch so viel zusätzliches Geld erzeugt werden: die Schuldner können ihre Zinsen nicht zahlen, es kommt zum Zahlungsverzug oder sogar zum Bankrott. Generell aber lässt sich sagen, dass eine erhöhte Schöpfung von neuen Bankeinlagen wohl die Einkommen erhöht und damit auch die Chance der Gläubiger darauf, dass etwas davon auch bei ihnen ankommt.

Die Banken verbuchen die Zinsen übrigens als Gewinn und schütten diesen ultimativ dann auch wieder an Haushalte aus. Insofern muss auch hier das Ganze als Kreislauf eines Systems gesehen werden, in dem Bankeinlagen zirkulieren. Wer nicht möchte, dass Banken hohe private Gewinne erwirtschaften, der muss sie und ihre Angestellten halt speziell besteuern bzw. regulieren (schon Adam Smith plädierte für letzteres!) oder staatliche Banken einsetzen, deren Ziel nicht die Profitmaximierung ist, sondern die Förderung des öffentlichen Wohls.

Ungleichheit, Schuldentilgung und Austerität: ein Problem

In einer Gesellschaft, in der die Einkommen ungleich verteilt sind und die Armen verschuldet, kann es zu großen makroökonomischen Störungen mit Deflation und Arbeitslosigkeit kommen. Etwa dann, wenn beispielsweise große Teile der Mittelklasse gleichzeitig versuchen, ihre Verschuldung zu reduzieren, indem sie ihren Konsum einschränken und nicht mehr investieren (in Immobilien, beispielsweise). Allerdings kann normalerweise der Staat dafür Sorge tragen, dass die Arbeitslosigkeit nicht zu hoch wird, indem er seine Ausgaben temporär ausweitet und so die Einkommen stabilisiert. Diese Lektion muss allerdings die Politik in der EU noch lernen. Die Krise in der Eurozone ist hausgemacht: wir könnten die Massenarbeitslosigkeit verhindern, beharren aber stur auf Senkungen der Staatsausgaben in den Krisenländern.

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