Arbeit | 02.09.2016 (editiert am 07.09.2016)

Lohnnebenkosten und die Intelligenz der Fliegen

Im selbstreferenziellen System von Politik und Medien werden mit großer Gewissheit Phrasen ohne empirische Relevanz gedroschen. Zu diesen ideologischen Konstrukten gehört die Behauptung, die Sozialabgaben führten zu nicht wettbewerbsfähigen Arbeitskosten der deutschen Wirtschaft.

Aktuell wird sie mal wieder im Zusammenhang mit der Forderung nach der Rente mit 69 bemüht, mit der die Deutsche Bundesbank das Sommerloch füllte. Heiner Flassbeck hat in seinem Makroskop-Beitrag vom 26.08.2016 (hier) gezeigt, dass dieses Postulat auf einer abgedroschenen ökonomischen Theorie und fragwürdigen Langzeitprognosen bis zum Jahr 2060 beruht. Paul Krugman hat solche wegen ihrer mutigen Annahmen sich selbst erfüllenden Prophezeiungen einmal treffend als „langweilige Science Fiction“ bezeichnet.

Das ewige Mantra der zu hohen Lohnkosten

Die Behauptung, die heimische Wirtschaft verliere wegen zu hoher Lohnkos­ten seine Wettbewerbsfähigkeit, ist so alt wie die Lohnarbeit selbst und die damit verbundenen Verteilungskämpfe. Otto von Bismarck z. B. begründete das 1878 erlassene Sozialistengesetz und das Verbot der SPD u. a. mit der Abwehr von wirtschaftlichem Schaden:

„Die sozialistisch-demokratischen Umtriebe haben mit dazu beigetragen, den geschäftlichen Druck, unter dem wir uns heute befinden, zu schaffen; sie haben die deutsche Arbeit verteuert und vermindert und ihr Produkt ist, dass der deutsche Arbeitstag nicht mehr das leistet,

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