Arbeit | 14.10.2016 (editiert am 25.04.2018)

Die virtuelle Marktgesellschaft

Die Vermarktung des Ichs ist ein wachsendes Phänomen – besonders im virtuellen Raum. Dort ist die einst von der Politik propagierte “Ich AG” zur vollen Entfaltung gekommen. Mit Freiheit hat das nur wenig zu tun.

Kleider machen Leute, schrieb 1874 der Schweizer Dichter Gottfried Keller in seiner Novellensammlung “Die Leute von Seldwyla”. Die Geschichte handelt von dem Schneidergesellen Wenzel Strapinski, der sich trotz Armut gut kleidet und schließlich wegen seines Äußeren für einen polnischen Grafen gehalten wird.

In der Welt eines Wenzel Strapinskis oder der eines Friedrich Wilhelm Voigt in Carl Zuckmayers Tragikomödie “Der Hauptmann von Köpenick” mag die Verkleidung und Hochstapelei noch als Einfallsreichtum und Draufgängertum von verzweifelten Helden am Rande der Gesellschaft durchgegangen sein. Anhand dieser Figuren entlarvten die Autoren die Pathologien ihres Zeitgeistes. Dabei stellt sich die Frage, was denn das Stück unserer Zeit wäre.

Das ökonomisierte “Update” kam in den 1980er Jahren von Leuten wie Stedman Graham, Ehemann der US-Talkmasterin Oprah Winfrey, der Selbsthilfebücher wie “Schaff dir die Marke deines Lebens” verkaufte. Zwei Jahrzehnte später gibt es nicht nur unzählige solcher Selbstverwirklichungsbest- oder restseller, es gilt die Marke “Ich” auch in Form eines perfekten Profils im World Wide Web umzusetzen. [...]

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