Theorie | 11.10.2016

„NAIRU“ – ein irreführendes Konzept besonders in Krisenzeiten

Auf Basis dieses theoretischen Konzepts wird in der EU Politik gemacht. Die theoretischen Mängel dieser Theorie tun ihrer Nützlichkeit keinen Abbruch. Sie eignet sich ausgezeichnet, eine gezielte Nachfrage- und Investitionspolitik zu unterlassen und auf diese Weise den nötigen Druck in Richtung „struktureller Reformen“ aufzubauen.

Es gibt einen Lieblingsausdruck im vorherrschenden ökonomischen Denken, der in ganz entscheidender Weise die europäische Wirtschaftspolitik und damit zugleich die Zukunft von hunderten Millionen Menschen bestimmt. Nein, hier ist nicht der Begriff  „Wettbewerbsfähigkeit“ gemeint. Auch dieser liefert natürlich ein Frame, das die Gedanken in weiten Teilen der politischen Elite auf sehr effektive Weise formiert und den Bevölkerungen ein Bild vor Augen führt, durch das sie teils massive Lohn- und Sozialkürzungen hinnehmen, da ja die „Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“ in der bekannt wenig rücksichtsvollen und einseitigen Variante für unausweichlich erklärt wird. Gemeint ist hier jedoch eine Art ideologischer Cousin der „Wettbewerbsfähigkeit“, der gern in Adjektivform auftritt, nämlich in Form des Wörtchens „strukturell“.

Er findet sich etwa in den Ausdrücken „strukturelle Reformen“, „strukturelle Verschuldung“ oder „strukturelle Arbeitslosigkeit“ und erzeugt dabei immer wieder die gleichen Bilder in vielen (und v.a. politisch entscheidenden) Köpfen. Was erst einmal als ökonomischer Problemgegenstand mit dem Adjektiv „strukturell“ belegt wurde, bei dem braucht man gar nicht mehr über die Abhängigkeit von makroökonomischen Rahmenbedingungen nachzudenken, [...]

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