Amerika | 08.11.2016 (editiert am 09.11.2016)

Bodensatz der liberalen Demokratie

Wer wissen will, was Colin Crouch meint, wenn er sagt, die liberale Demokratie sei „kein normativ wünschenswerter Zustand”, muss sich nur den US-Wahlkampf anschauen. Trübe Aussichten auch für Europa.

Donald Trump kann im Grunde sagen was er will. Ob das nun dumm, fremdenfeindlich oder frauenverachtend ist, spielt keine große Rolle. Zwar werden ihn seine dilettantischen Rundumschläge aller Voraussicht die Präsidentschaft kosten, immerhin 40% der Amerikaner werden ihn aber dennoch wählen. Denn die Anhänger Trumps misstrauen dem „System“ im Ganzen. Und wenn sie das auch meist nicht wirklich begründen können, haben sie doch allen Grund dazu. Ganz gleich, wer heute am 08.11.2016 zum Präsidenten gewählt wird.

Es sind ja seine hemdsärmlichen Rundumschläge und seine vermeintliche Unabhängigkeit von Spenden, die Trumps Popularität ausmachen. 40 Prozent der Stimmen für einen radikalrabulistischen Kandidaten, dessen Wahlprogramm in Schriftgröße 20 auf ein Din-A4-Blatt passt. Das ist bezeichnend.

Aber auch Hillary Clinton ist keine Alternative. Sie verkörpert das entrückte politische Establishment, von dem sich immer mehr Amerikaner abwenden. Es ist just dieses Establishment samt seinen Klientel-Strukturen, dass den Nährboden für die wachsende Wut, Misstrauen und den Aufstieg von Politikern wie Trump bereitet. Dabei ist es eine Ironie der Geschichte, dass Trump wie Clinton aus der New Yorker Oberschicht stammen und ihre Familien bis zum Wahlkampf gut befreundet waren. [...]

Nichts schreibt sich von allein!

Nur für Abonnenten

MAKROSKOP ist das Magazin einer Neuen Monetären Ökonomik und damit in Deutschland einzigartig. MAKROSKOP steht für das große Ganze. Wir haben einen Blick auf Geld, Wirtschaft und Politik, den Sie so woanders nicht finden.

Dabei leben wir von unseren Autoren – Quer- und Weitdenkern –, ihren Recherchen, ihrem Wissen und ihrem Enthusiasmus. Gemeinsam scheren wir aus den schmaler werdenden Leitplanken des Denkbaren aus. Wir verlassen die journalistische Filterblase, in der sich viele eingerichtet haben. Wir öffnen Fenster und bringen frische Luft in die engen und verstaubten Debattenräume.

Das verschafft uns nicht nur Freunde.

Wenn Sie uns gerade deswegen unterstützen möchten, dann folgen Sie einfach dem Button.

Abonnieren

Anmelden