Soziales | 30.11.2016 (editiert am 05.12.2016)

Bürgerkrankenversicherung – ein Jobkiller?

Die Fusion von privater und gesetzlicher Krankenversicherung zu einer Bürgerkrankenversicherung ist ein ökonomisch rationales Projekt. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung wird nun dazu benutzt, die Bürgerkrankenversicherung als Jobkiller zu diskreditieren. Anmerkungen zu einer seltsamen Debatte.

Existenzkrise der privaten Krankenversicherung (PKV)

Der PKV geht es nicht gut. Ihre Beiträge werden im kommenden Jahr um durchschnittlich 11 Prozent angehoben (hier). Die FAZ spricht von einem „Überfall auf die Versicherten“, macht aber dafür nicht das PKV-System verantwortlich, sondern die SPD (hier). Sie habe eine gleitende Tarifanpassung verhindert, die einen solchen Beitragsschock vermieden hätte. Damit habe sie die PKV systematisch schwächen wollen. Das ist paranoider Quatsch. Der Versicherungswirtschaft werden keine gleitenden Tarifanpassungen untersagt, sondern Vertragsabschlüsse mit regelmäßigen Beitragsanhebungen wie etwa bei Staffelmietverträgen. Da der FAZ zur Verteidigung des unwirtschaftlichen PKV-Systems sachlich nichts einfällt, kreiert sie eine Verschwörungstheorie. Die SPD ist eh an allem schuld, sogar für einen verregneten Sommer, wie wir von Rudi Carrell wissen.

Neben der SPD muss auch die EZB als Sündenbock herhalten. Deren Nullzins-Politik habe zu einem Abschmelzen der Erträge aus den Rückstellungen zur Absicherung der Altersrisiken geführt, so die offizielle Begründung des PKV-Verbandes für die Beitragsanhebungen. Seine Mitglieder führen durchschnittlich 30 Prozent der Beitragseinnahmen in Rückstellungen ab, [...]

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