Amerika | 18.11.2016

Das Investitionsprogramm von Trump – (k)ein Problem?

Einige Medien prophezeien dem zukünftigen US-Präsidenten Trump Probleme mit dem geplanten Ausbau der Infrastruktur. Es gäbe, so hört man, einfach nicht genug Bauarbeiter. Dieses Problem aber wird die Marktwirtschaft leicht in den Griff bekommen.

Donald Trump möchte in seiner Amtszeit $800-1.000 Milliarden zusätzlich ausgeben, um die Infrastruktur im Land zu modernisieren. Sofort zeigen die Medien auf Probleme – es gibt angeblich zu wenig Bauarbeiter, meldet zum Beispiel SPON unter Berufung auf CNBC (hier).

Mangel im Kapitalismus

Wer sich etwas mit der Funktionsweise des Kapitalismus oder einer Marktwirtschaft beschäftigt hat, der weiß, dass der Wettbewerb der Unternehmen untereinander dafür sorgt, dass die Arbeitnehmer durch höhere Löhne in die besonders profitablen Bereiche gelockt werden. Liegen beispielsweise die zu erwartenden Gewinne in einem Sektor deutlich über denen in anderen Sektoren, so werden die dortigen Unternehmen auch höhere Löhne bieten, damit sie weitere lukrative Aufträge auch erfüllen können.

In Deutschland sehen wir das im IT-Bereich, wo hohe Löhne die Beschäftigten in diese Branche locken sollen. Es ist also falsch, von einem Mangel zu sprechen – Knappheit ist das richtige Wort. Die Anzahl der Arbeitskräfte ist begrenzt und wer mehr einstellen möchte, der muss entsprechend hohe Löhne zahlen. Die Alternative dazu ist eine Steigerung des Einsatzes von Maschinen und anderen Möglichkeiten der Kostenoptimierung.

Immobilienboom in Spanien – Lohnexplosion!

In Spanien gab es vor der Krise von 2008/09 einen großen Immobilienboom, in dessen Folge die Anzahl der Arbeitnehmer im Bausektor von knapp 1,7 Millionen (2001) auf 2,4 Millionen (2007) zunahm. Wie war es möglich, dass innerhalb von sechs Jahren die Anzahl der Beschäftigten um etwa 50% stieg? Die Antwort auf diese Frage findet man, wenn man sich die Entwicklung der Löhne im Bausektor betrachtet.  Wie die unten stehende Tabelle zeigt, stiegen diese überdurchschnittlich stark und sorgten dafür, dass Arbeitskräfte aus anderen Sektoren nun im Bausektor arbeiteten.


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Erst mit Ausbruch der sogenannten „subprime-crisis“ in den USA im Jahr 2007 und der Abkühlung des spanischen Immobilienmarktes sanken die Zuwachsrate in der Baubranche wieder ab und pendeln inzwischen um Null.

Macht und Marktwirtschaft

Der Staat kann, wenn er denn möchte, durch Beschäftigungsprogramme die Arbeitslosigkeit stark reduzieren. Da der Immobiliensektor in der Lage ist, auch ungelernte Arbeitnehmer zu beschäftigen, ist eine Reduzierung der Arbeitslosenrate in den USA sehr wahrscheinlich, sofern Trump seine Versprechen hält.

Da viele meinen, in den USA herrsche bereits Vollbeschäftigung, wird selbstverständlich wieder einmal die Inflationsangst geschürt. Diese Sorge scheint allerdings unbegründet, denn in den USA haben sich Millionen von Arbeitnehmern vom Arbeitsmarkt verabschiedet. Viele Amerikaner haben es schlicht aufgegeben, einen vernünftigen Job zu suchen. Dies erkennt man am Verhältnis der Beschäftigten zur Gesamtbevölkerung. Dieses lag laut Daten der amerikanischen Zentralbank vor der Finanzkrise 2007 bei etwa 63%, nun liegt es bei 60% (hier). Da sich die Arbeitslosigkeitsrate aus dem Quotient von Arbeitslosen und potentiell Arbeitssuchenden plus Beschäftigten ergibt, sieht diese niedriger aus, wenn die Anzahl der Arbeitssuchenden abnimmt, und suggeriert dann Vollbeschäftigung.

Frust und Rost

Am Tag der US-Wahl veröffentlichte die Washington Times einen Artikel zum Ausgang der Wahl mit dem einleitenden Satz:

„Donald Trump won the presidency by turning the Rust Belt red.“

Er gewann Pennsylvania, Ohio, Michigan und Wisconsin. Diese Staaten wurden eigentlich sicher als „blau“ eingeschätzt. Die Mehrheit der Wähler, so lauteten die Umfragen, würden die Kandidatin der Demokraten wählen. Diese Staaten sind Teil des industriellen Herzens der USA und genau hier lud sich der Frust über den Rost, den dortigen Niedergang des Industriesektors, ab.

Ob sich die Wähler in den USA mit Trump einen Gefallen getan haben, lässt sich nur schwer voraussagen. Allerdings wäre mit einem Job die Zukunft auf jeden Fall einfacher zu ertragen. Genau dies ist der Knackpunkt bei allen Präsidentschaftswahlen in den USA, so wird behauptet: „It’s the economy, stupid!“ Das Bild der Demokraten von der Lage der Nation war zu rosig, die politische Elite tatsächlich zu weit entfernt von der tristen Realität der Menschen, die auf Einkommen aus Lohnarbeit angewiesen sind. Nun soll der Populist die Jobs liefern, die der Freihandel und der Finanzmarkt versprochen hatten und die Chancen dafür stehen gar nicht so schlecht.

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