Konjunktur | 09.11.2016 (editiert am 22.11.2016)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Herbst 2016: Alle Signale weiter auf Stagnation – 1

Fast unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit sind die Indikatoren für die deutsche Konjunktur im September wieder sehr schwach ausgefallen. Nachdem man eine Belebung des ifo-Index in dem Monat breit bejubelt hatte, wollte man in den einschlägigen Medien wohl nicht verstehen, dass das immer noch nicht der Durchbruch ist.

Man kann allerdings jetzt schon Wetten darauf abschließen, dass das Statistische Bundesamt am 15. November bei der Vorstellung der ersten Ergebnisse der BIP-Berechnung für das dritte Quartal wiederum von einer wachsenden deutschen Wirtschaft sprechen wird. Und selbstverständlich werden die deutschen Medien das wieder bejubeln als den letzten Beweis dafür, dass die deutsche Wirtschaft brummt..

Eurostat hat mit seiner „Schnellschätzung“ von 0,3 BIP-Wachstum (gegenüber dem Vorquartal) für die Eurozone die Richtung schon vorgegeben, bevor überhaupt alle Ergebnisse für die Produktion im dritten Quartal selbst für große Länder wie Deutschland vorlagen. Ist ja auch nicht so wichtig, was die Indikatoren sagen, Hauptsache wir können Wachstum vermelden. Spanien wusste natürlich wieder ganz genau, dass das BIP im dritten Quartal um 0,7 Prozent (gegenüber dem Vorquartal) gestiegen ist, weil das BIP in Spanien eigentlich immer um 0,7 oder aber um 0,8 Prozent wächst. Das ist ein Naturgesetz sozusagen.

In Deutschland jedenfalls sind bei den Daten, die man für verlässlich halten kann, auch im September keine Anzeichen für einen Aufschwung zu erkennen (Abbildung 1). Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe stagniert auf dem Niveau von 110 (bei einem Index mit Basis 2010 = 100) und das ist das Niveau, das dieser Index jetzt schon geschlagene 3 Jahre (seit Mitte 2013) hält. Genau das Niveau war aber auch schon im Jahre 2011 einmal erreicht. Wenn das kein Boom ist?


20161109_r_abb1


Besonders schwach ist zuletzt die Inlandsnachfrage, was besonders die Nachfrage nach Konsumgütern betrifft. Aber auch bei den Investitionsgütern ist Flaute angesagt. Nimmt man hinzu, dass auch der Einzelhandelsumsatz in Deutschland im dritten Quartal dieses Jahres nicht höher ist als im ersten, muss man konstatieren, dass die Binnenwirtschaft in Deutschland keinerlei Dynamik erkennen lässt.

Die Nachfrage aus dem Ausland steigt zwar auch nicht, hält sich aber immerhin auf einem etwas höheren Niveau als in den Vorjahren. Trennt man die Nachfrage aus der Eurozone vom Rest der Auslandsnachfrage (Abbildung 2), dann zeigt sich, dass der Rest der Welt noch immer schwächelt, während aus den Euroländern die einzigen Impulse kamen. Nicht auszudenken, wenn die Vorschriften zur Konsolidierung der öffentlichen haushalte so eingehalten worden wären wie der deutsche Finanzminister sich das gewünscht hatte.


20161109_r_abb2


Auch der ifo-Index, der im September deutlich gestiegen war und für wahre Jubelstürme in den deutschen Medien gesorgt hatte, hat keine wesentliche Änderung des Bildes gebracht (Abbildung 3). Trotz einer minimalen Erhöhung auch im Oktober zeigt der Index nichts anderes als die Auftragseingänge, er schwankt lediglich etwas stärker. Von einem Aufschwung kann auch hier nicht die Rede sein. Die Schwankungen, die man in den beiden letzten Jahren gesehen hat, sind einfach nicht interpretierbar.

Weit weniger verlässlich noch sind andere Indikatoren, die auf Umfragen beruhen. Immer wieder wird in der Presse der sogenannte Markit-Indikator erwähnt. Aber der zeigt schon seit Jahren für Deutschland einen soliden Aufschwung (selbst in der Industrie), der jedoch in den harten Daten nirgendwo zu finden ist.


20161109_r_abb3


Am Dienstag dieser Woche sind die Zahlen zur Industrieproduktion und der Bauproduktion im September veröffentlicht worden. Auch hier das gleiche Bild: Die Produktion des produzierenden Gewerbes (also Bau und Industrie zusammen) bietet das Bild einer seit drei Jahren stagnierenden Wirtschaft (hier das Originalbild von der deutschen Bundesbank, hier zu finden). Wobei die Bauproduktion zuletzt noch schwächer war als die Industrieproduktion.


20161109_r_abb4


Die (saisonbereinigten Quartalswerte) in diesem Jahr (nach der Statistik der Deutschen Bundesbank) lauten 110,2 im ersten, 109,7 im zweiten und 109,9 im dritten Quartal. Wenn das kein Boom ist? Das Statistische Bundesamt wird am 15. 11. sicher dazu eine beeindruckende Zahl des BIP-Wachstums liefern. Nachdem für das zweite Quartal bei rückläufiger Produktion im produzierenden Gewerbe ein Zuwachs von 0,4 Prozent für die Gesamtwirtschaft errechnet wurde, sind diesmal 0,2 oder gar 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal sozusagen ein Muss!

Weitere Teile dieser Serie

Anmelden