Konjunktur | 16.11.2016 (editiert am 22.11.2016)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Herbst 2016: Alle Signale weiter auf Stagnation – 2

Der wichtigste Indikator für die europäische Konjunktur hat sich auch im September kaum bewegt. Die Industrieproduktion im Euroraum liegt immer noch nur ganz wenig über dem Niveau, das sie Anfang vergangenen Jahres schon erreicht hatte. Damit ist das Niveau der Industrieproduktion im Euroraum seit Mitte 2011 praktisch nicht mehr gestiegen.

Die Entwicklung der europäischen Industrieproduktion blieb auch im September flach (Abbildung 1). Zwar lag die Erzeugung im September 2016 um etwas mehr als ein Prozent über dem Niveau des Vorjahres, aber das ist – gemessen vor allem an der Erfahrung, dass die Industrieproduktion eine Aufwärtsbewegung anführen und dominieren muss, – nahezu nichts.


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In Frankreich, Italien und in Deutschland gab es im September erneut einen Rückschlag, wobei der in Italien das etwas erhöhte Niveau der Produktion in den letzten Monaten immerhin nicht vollständig zunichtemachte. Frankreich hat das ganze Jahr 2016 schon nicht mehr als Stagnation zu verzeichnen und auch in Deutschland ist für das Tempo, mit dem es aufwärts geht, die Bezeichnung Schneckentempo schon eine Übertreibung.

Das Gleiche gilt auch für Südeuropa (Abbildung 2). Alle drei Länder stagnieren mindestens seit Beginn des vergangenen Jahres. In Spanien, wo das Statistische Amt für das dritte Quartal wieder ein kräftiges Wachstum von 0,7 Prozent (gegenüber dem Vorquartal) „errechnet“ hat, liegt die Industrieproduktion im dritten Quartal nur einen Hauch über dem zweiten Quartal. Portugal stagniert ebenfalls und Griechenland ist weiterhin hoffnungslos. Das Desaster in Griechenland wird von der Eurogruppe, die für diese Entwicklung verantwortlich ist, offenbar ignoriert. Man müsste doch spätestens jetzt dem Land zugestehen, dass eine ganz andere Politik vonnöten ist.


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Aber auch im Norden ist die aktuelle Lage in der Industrie nicht viel besser (Abbildung 3). Österreich hat etwas zugelegt und liegt jetzt doch zwei bis drei Prozentpunkte über der langjährigen Stagnationsebene von unter 110 (bei Index 2010 =100). In Belgien ist es im September wieder abwärts gegangen, so dass man nicht sagen kann, ob die leichte Belebung, die vorher zu erkennen war, von Dauer sein wird. Die Niederlande haben mal wieder einen Anstieg verzeichnet, aber bei einem extrem niedrigen Niveau.


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In Nordeuropa hat es mit einem starken Einbruch in Dänemark und in Norwegen eine Überraschung gegeben (Abbildung 4). Zwar zeigen diese Kurven immer mal wieder heftige Schwankungen, aber so riesige Ausschläge wie diesmal sind doch selten. Dem Einbruch in Dänemark und Norwegen steht allerdings ein kräftiger Anstieg in Schweden gegenüber. Finnland kann auch in diesem Herbst seiner nun fünfjährigen Industrierezession nicht entrinnen, obwohl es ein Musterknabe in Sachen „Reformen“ ist.


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Im Baltikum gibt es positive Zahlen aus Estland, aber Lettland und Litauen bestätigen nicht, dass es hier eine wirkliche Wende zum Besseren gäbe (Abbildung 5).


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In Ost- und Mitteleuropa hat nun die Korrektur des Einbruchs vom Sommer, die wir schon erwartet hatten, stattgefunden (Abbildung 6). In der Slowakei und in Tschechien sind nun wieder die Niveaus erreicht, die in diesem Sommer vor dem Einbruch zu verzeichnen gewesen waren. Polen und Ungarn sind schwach, doch in Slowenien kann man jetzt von einer wirklichen Wende zu einem Aufschwung reden, die Industrieproduktion liegt nun schon 15 Prozent über dem Niveau von Ende 2014.


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In Bulgarien, Rumänien und Kroatien (Abbildung 7) bleibt es bei weitgehender Stagnation. Kroatien kann nicht, wie das für Slowenien zu verzeichnen ist, die leichte Aufwärtsbewegung in einen wirklichen Aufschwung verwandeln. In dem Land, in dem die politischen Verhältnisse immer instabiler werden (hier ein Bericht von uns dazu), stagniert die Industrie schon seit 2009. Das ist für ein Land auf diesem Entwicklungsniveau einfach katastrophal.


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Lesen Sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickeln und was man aus diesem Befund für die Wirtschaftspolitik abzuleiten hat.

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