Kommentar | 05.12.2016 (editiert am 06.12.2016)

Das italienische Beben

Die Abstimmungen in Österreich und Italien sind zwar im Lichte der europäischen Krise besehen unterschiedlich ausgegangen, doch die Folgen beider werden gravierend sein. Wer jetzt noch nicht versteht, dass ohne durchgreifende und sofortige Erhaltungsmaßnahmen das europäische Haus vor dem Einsturz steht, ist ein Narr.

Wenn die Erde bebt, kann man die Auswirkungen oft über tausende von Kilometern spüren. Die Nachbeben sind jedoch meistens überschaubar. Wenn die politische Erde bebt, ist es häufig umgekehrt: Die unmittelbaren Effekte sind gering, dafür aber haben die Nachbeben in der Regel verheerende Auswirkungen.

Gestern hat die politische Erde gleich zwei Mal gebebt. Zunächst gab es nördlich der Alpen eine geringeres Beben und dann südlich davon ein auf der nach oben offenen Richterskala kaum noch zu messendes gewaltiges Beben. In Österreich hat ein Vertreter der Partei über 48 Prozent der Stimmen bekommen, für die Südeuropa eine einzige Pleiteregion ist, die nichts anderes im Sinn hat, als den guten und produktiven Nationen im Norden ihr wohl verdientes Geld aus der Tasche zu ziehen (vgl. das Plakat hier). Viele „gute Europäer“ freuen sich heute jedoch, dass der Vertreter dieser Partei nicht 51 Prozent bekommen hat und deuten auf das erste Licht am Ende des „populistischen“ Tunnels. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden