Theorie | 23.12.2016 (editiert am 26.12.2016)

Verfolgung, Hunger, Krieg – 3

Wo und aus welchen Gründen auch immer wir die Grenze unserer Hilfsbereitschaft ziehen, es werden viele übrigbleiben, denen nicht geholfen wird. Aber wenn wir nicht allen helfen wollen oder können, dann verpflichtet uns das, wenigstens die verfügbaren Mittel so effektiv wie möglich einzusetzen.

Bei der Verfolgung der Frage, welche Hilfsleistungen von jedem moralisch gefordert sind, ist deutlich geworden, dass die Antworten der Kontraktualisten und der Universalisten am stärksten voneinander abweichen. Dabei sind zwar auch für moralische Universalisten die eben diskutierten Gründe zu berücksichtigen, aber für sie bleiben die moralischen Anforderungen zweifellos hoch, weil sie Hilfspflichten nicht an Reziprozität binden. Und wenn in diesem enorm folgenträchtigen Punkt, ein Dissens nicht nur unter Moralphilosophen, sondern auch zwischen größeren Teilen der Bevölkerung besteht, dann steht man vor einer zweiten Frage:

Was ist politisch legitim?

Was ist angesichts der Tatsache, dass die Bürger nun mal verschiedenen Moralen anhängen, politisch legitim?

In solchen Fällen, könnte man vermuten, muss die für alle verbindliche Regelung durch eine politische Entscheidung bestimmt werden. Diese Strategie ist bei der Aufstellung von Hilfspflichten allerdings mit einem besonderen Problem konfrontiert – eben dem, dass die Bürger auch verschiedener Meinung darüber sind, welche Fragen denn überhaupt durch einfache parlamentarische Mehrheiten entschieden werden dürfen. [...]

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