Kommentar | 06.01.2017 (editiert am 06.01.2018)

Der Gegenreformer

Hans Tietmeyers Zitate und selbstzugeschriebene Leitbilder sind zu einem Sittengemälde des Neoliberalismus geworden. Kaum eine Person steht so sinnbildlich wie er für die neoliberale Umgestaltung der Bundesrepublik. Ein kritischer Nachruf.

Die Deutsche Bundesbank leitete ihren Nachruf auf den kurz nach Weihnachten im Alter von 85 Jahren verstorbenen Hans Tietmeyer mit einer kleinen Geschichte ein. Kurz vor Ende seiner Amtszeit als Bundesbankpräsident wurde Tietmeyer von Freunden aus der westfälischen Heimat eine Eiche geschenkt und vor dem Gebäude der Bundesbank eingepflanzt. Die „westfälische Eiche“, wie sich der ehemalige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und Bundesbankpräsident selbst gerne nannte, wächst und gedeiht nun im Garten des Geldinstituts.

Auf diese Weise dankten die Einwohner Metelens Tietmeyer für den steten Einsatz in seiner Heimat, den er auch auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Karriere fortsetzte. Unter anderem konnte er „mit Hilfe seiner vielfältigen Netzwerke“ für die Errichtung eines neuen Industriegebietes in Metelen „größtmögliche Zuschüsse“ durchsetzen, berichten die „Westfälischen Nachrichten“ stolz. Kein Wunder, dass er in Würdigung seiner „besonderen Verdienste um das Wohl der Gemeinde“ 1993 zum Ehrenbürger ernannt wurde.

Auch auf bundespolitischer Ebene danken viele Hans Tietmeyer posthum für sein Verantwortungsbewusstsein in der Gemeinschaft. Hervorgehoben wird sein Eintreten für das gesellschafts- und wirtschaftspolitische Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft, [...]

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