Europa | 06.01.2017 (editiert am 09.01.2017)

Die Schweiz entscheidet über ihr „Modell Taubenschlag“ 

Wachstum dank Lohndumping und Einwanderung. Mit diesem Modell nervt die Schweiz ihre Nachbarn und schadet sich selbst. Jetzt wird einmal mehr darüber abgestimmt, ob dieses Modell fortgesetzt werden soll.

Plus 1,8 % im Jahr 2017. Die offizielle Prognose des Staatssekretariats für Wirtschaft, Seco, klingt nach solidem Wachstum. Die Zahl könnte als Beleg dafür genommen werden, dass das Wachstumsmodell der Schweiz funktioniert und bei der kommenden Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform III vom Volk bestätigt werden sollte. Dieses Modell basiert nicht auf der Ankurbelung der einheimischen Nachfrage, sondern auf dem Versuch, Unternehmen und reiche Leute durch tiefe Steuern in die Schweiz zu locken.

Im Gegensatz dazu versuchen die EU-Nachbarn, durch die Senkung der Lohnkosten und durch die „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes“ im Standortwettbewerb zu bestehen. Die Schweiz hat dieser Versuchung auch ohne gesetzlichen Mindestlohn bisher einigermaßen erfolgreich widerstanden. Sie schützt sich mit „flankierenden  Maßnahmen“ gegen Billiglöhne. Darüber hinaus gibt es noch einen Kranz von Ländern, die Mühe haben, überhaupt global wettbewerbsfähige Industrien zu entwickeln und die froh sind, wenn ihre Arbeitslosen zu Wirtschaftsflüchtlingen werden.

Diese Gemengelage hat die Schweiz zu einem Taubenschlag gemacht. Einerseits zieht das Land bewusst Spezialisten und reiche Leute an, andererseits drängt es die Verlierer des Standortwettbewerbs in den noch relativ soliden Schweizer Arbeitsmarkt. [...]

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