Konjunktur | 10.01.2017

Europäische Konjunktur im Winter 2016/2017: Leichte Belebung in Deutschland – 1

Die deutsche Konjunktur hat sich leicht belebt. Ob das der Beginn einer längeren Belebung ist, kann noch nicht entschieden werden. Angesichts fehlender Impulse aus dem europäischen Binnenmarkt ist es jedoch unwahrscheinlich, dass sich daraus ein wirklicher Aufschwung ergibt. Wiederum ist es der Export, der vorwiegend für die Impulse verantwortlich ist.

Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland haben sich im November 2016 wieder abgeschwächt. Allerdings nicht so stark, dass die starken Zuwächse des Vormonats ausgeglichen worden wären (Abbildung 1). Insgesamt ergibt sich damit seit Oktober eine Belebung, die zwar schwach ist, aber dennoch zum ersten Mal über das Niveau hinaus führt, das schon 2011 erreicht war.



Auftragseingang und ifo-Index zeigen jetzt in die gleiche Richtung (Abbildung 2). Gemessen an der langfristigen Entwicklung, wie sie in Abbildung 2 dargestellt ist, kann man das aber keineswegs schon als einen Durchbruch bezeichnen. Angesichts der Labilität der gesamten weltwirtschaftlichen Entwicklung und fehlender binnenwirtschaftlicher Impulse in Europa, kann sich dies in den kommenden Monaten als Seifenblase entpuppen, die so schnell wieder verschwindet wie sie gekommen ist.



Bei der Nachfrage aus dem Ausland ist es vor allem die Nachfrage aus den Ländern außerhalb der Eurozone, wo die Impulse herkommen (Abbildung 3). Dazu passt, dass die deutschen Exporte im November einen Rekordwert erreichten. Die Inlandsnachfrage liegt auch jetzt immer noch auf dem Niveau von 2011.



Betrachtet man die Branchen der Industrie, sieht man, dass es wieder einmal vor allem die deutsche Automobilindustrie ist, die von den Impulsen aus dem Ausland profitiert (Abbildung 4). Auch die Chemie und Pharma-Industrie hat nach langen Jahren der Stagnation eine klare Belebung zu verzeichnen.



Bei der Industrieproduktion gibt es ebenfalls eine Belebung, die aber weniger stark ist und noch immer nicht deutlich über das Niveau der letzten drei Jahre hinaus geführt hat (Abbildung 5). Auch die Bauwirtschaft, und dort insbesondere das Bauhauptgewerbe, verzeichneten im November einen Anstieg der Produktion. In der Bauwirtschaft bleibt aber, trotz guter Zahlen bei den Auftragseingängen und bei einigen Stimmungsindikatoren die Produktion insgesamt immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau.



Insgesamt gesehen bietet sich das Bild einer Wirtschaft, die leichte Impulse aus dem Ausland bekommen hat und daher nicht mehr so klar auf einem Stagnationskurs ist wie zuvor.

Lesen sie im zweiten Teil, wie sich die wirtschaftliche Entwicklung in der europäischen Industrie darstellt.

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