Kommentar | 20.01.2017

Schwarze Null und schwarze Kunst

Wolfgang Schäuble glaubt, Deutschland „zahle“ für die Währungsunion einen „Preis“ in Form zu niedriger Zinsen und eines zu niedrigen Wechselkurses. Was der Bundesfinanzminister offenbar nicht verstehen kann: Der Preis ist negativ und die Währungsunion ist mit solcher „Logik“ am Ende!

In einem der „Gespräche mit Stichwortgebern“, die unsere Zeitungen gemeinhin „Interview“ nennen, hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vergangene Woche zur Eurokrise tatsächlich zwei bemerkenswerte Aussagen gemacht (in der Printversion der Süddeutschen Zeitung am Freitag, 13.01.2017 auf Seite 2).

Zur Kritik der Stichwortgeber an den niedrigen Zinsen und damit an der Zentralbank sagte er:

»Die Ursache für das Problem jetzt ist nicht die Zentralbank. Eine Reihe von Mitgliedsländern liefert nicht, zu was sie sich verpflichtet haben, nämlich eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Das Problem ist die Schwäche der anderen Staaten, nicht die Stärke Deutschlands.«

Und wenig später „erklärt“ er den deutschen Bürgern, dass sie für das Wohlergehen und für die Beschäftigung, die sie der Währungsunion verdanken, einen „gewissen Preis“ bezahlen müssen, nämlich, „ […] dass der Wechselkurs und die Zinsen für uns ein bisschen zu niedrig sind und für die anderen ein bisschen zu hoch“ ist. Das, schließt er, sei aber in einer gemeinsamen Währungsunion immer so. [...]

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