Konjunktur | 15.02.2017

Die deutsche und europäische Konjunktur zum Jahresende 2016 – 2

Auch im Dezember ist Europa nicht vorangekommen, wenn man die Industrieproduktion betrachtet. Dennoch wird ein Aufschwung in den Medien abgefeiert, der sich auf problematische Berechnungen einiger Statistischer Ämter stützt.

Es war zu erwarten und wir haben es korrekt vorhergesehen (hier): Das Statistische Bundesamt hat seine Schätzung für das BIP im gesamten vergangenen Jahr (1,9 Prozent) nicht geändert und veröffentlicht zudem einen Zuwachs des BIP im vierten Quartal gegenüber dem dritten Quartal von 0,4 Prozent. Wir können unsere Position nur noch einmal wiederholen: Dieser Zuwachs ist von den Originaldaten auf der Produktionsseite her, auf der die Schätzung des BIP im Kern beruhen muss, nicht gerechtfertigt.

Die Produktion im produzierenden Gewerbe ist vom dritten auf das vierte Quartal nicht gestiegen und der Einzelhandel verzeichnet nur einen minimalen Zuwachs. Das Gleiche galt für das dritte Quartal, für welches das Amt aber nur einen Zuwachs von 0,1 Prozent ausweist. Weder der Bauboom, von dem die Nachrichtenagenturen und die deutschen Gazetten schreiben, noch der Zuwachs des Konsums ist aus den harten Zahlen ablesbar.

Die Methode des Amtes, mit der die Medien verwirrt werden, ist bei der Verbalisierung der Zahlen in der Pressemitteilung allerdings leicht zu durchschauen. Die erhöhten „Bauinvestitionen“, von denen das Amt schreibt, kann man an einer leicht erhöhten Bauproduktion erkennen (107,5 im vierten nach 105,8 im dritten Quartal). Deren Gewicht ist aber mit 11 Prozent nur so gering, dass die steigende Bauproduktion die Stagnation im gesamten produzierenden Gewerbe nicht verhindern kann, denn die Industrieproduktion (mit einem Gewicht von 78 Prozent) ist leicht gesunken. Von Letzterer bzw. den Nachfrageaggregaten, die dazu passen würden, schreibt das Amt aber nichts. So entsteht der falsche Eindruck, die Bauinvestitionen hätten das Wachstum im vierten Quartal getragen.

Auch für den privaten Konsum, der als Erklärung für das Wachstum erwähnt wird, gibt es wenige überzeugende Hinweise in der Statistik. Der Umsatz des Einzelhandels ist nur von 106,5 im dritten Quartal auf 106,8 im vierten gestiegen. Das sind weniger als 0,3 Prozent. Von einer wirklichen Konsumbelebung kann nicht die Rede sein. Der Dezember war zudem klar der schlechteste Monat im vierten Quartal.

Industrieproduktion in Europa sinkt im Dezember

Im Dezember 2016 war für die Währungsunion insgesamt ein leichter Rückgang der Industrieproduktion zu verzeichnen, der allerdings weitgehend von dem starken Rückgang in Deutschland erklärt wird (Abbildung 1).



In Frankreich gab es zwar auch einen leichten Rückgang, aber der war weit weniger ausgeprägt als in Deutschland. Italien verzeichnet dagegen seit einigen Monaten zum ersten Mal seit 2011 eine leichte Belebung. Dennoch ist der im Jahr 2011 erreichte Wert noch in weiter Ferne. Die EWU insgesamt hat diesen Wert inzwischen ganz leicht überschritten. Das ist allerdings kein Beleg für eine gute, sondern eine weiterhin katastrophale Entwicklung.

In Südeuropa ist eine leichte Belebung nur in Griechenland zu erkennen, wo die Industrieproduktion nunmehr schon drei Monate nach oben zeigt (Abbildung 2). In Portugal und Spanien kann von einer Aufwärtsentwicklung immer noch keine Rede sein. Woher in Spanien die 0,7 Prozent Wachstumsrate des BIP herkommen soll, die von der amtlichen Statistik (hier) für die beiden letzten Quartale 2016 ausgewiesen werden, ist weiterhin ein Rätsel.



In Österreich hat es in den letzten Monaten des vergangenen Jahres ebenfalls einen Aufschwung gegeben (Abbildung 3). Auch die Niederlande kommen allmählich von der Talsohle weg, in der sie lange festgesteckt haben. In Belgien geht es tendenziell auch aufwärts, wenngleich unter großen Schwankungen.



In Nordeuropa scheint in Dänemark trotz erheblicher Fluktuationen der Durchbruch gelungen zu sein (Abbildung 4). In den übrigen Ländern kann davon noch nicht die Rede sein. Finnland, Norwegen und Schweden verharren auf tiefen Niveau und die Produktion war dort auch im Dezember rückläufig.



Das Baltikum, wo über mehrere Jahre ebenfalls weitgehende Stagnation angesagt war, scheint sich zu erholen. Die letzten Werte waren in allen drei Ländern positiv, was dafür spricht, dass es doch eine gemeinsame Ursache für die Aufwärtsbewegung gibt (Abbildung 5).



Auch in einigen anderen mittel- und osteuropäischen Ländern ist diese Bewegung zu spüren (Abbildungen 6 und 7).



In Polen und Slowenien ging es zum Ende vergangenen Jahres ebenso aufwärts wie in Bulgarien, Rumänien und Bulgarien. In Kroatien, das sich lange Jahre nicht aus einer langen Rezession befreien konnte, geht es nun steil nach oben. Aber auch Bulgarien und Rumänien scheinen ihre lange Stagnationsphase hinter sich gelassen zu haben.



Nicht zu sehen ist die jüngste Aufwärtsentwicklung in den kleinen Ländern Malta, Zypern und Irland (Abbildung 8). Irland, das immer als Musterknabe gilt, kommt nun schon zwei Jahre nicht von der Stelle.



Lesen sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickeln und was das für die Wirtschaftspolitik bedeutet.

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