Genial daneben | 17.02.2017

Zeigt der Kapitalmarkt Trump die rote Karte?

Die ausländischen Investoren, deren Geld Trump benötigt, um „America“ wieder „great“ zu machen, werden ihn schon zur Vernunft bringen, hofft „Die Welt“. Sie befürchtet aber gleichzeitig, dass die Fed ihm einen billigen Ausweg bieten könnte.

Die einen fürchten ihn und die anderen preisen ihn. Worüber allerdings fast kein Dissens besteht, ist über seine ungeheure Macht. Die Rede ist vom Kapitalmarkt und seiner Macht über die Geschicke von verschuldeten Ländern. Denn wer permanent über seine Verhältnisse gelebt hat, der muss sich halt verschulden. Und auch wenn der Schuldner der Staat ist, darf er sich nicht darüber beklagen, ob überhaupt und unter welchen Bedingungen ihm der Kapitalmarkt Geld zur Verfügung stellt.

Wer, wie Trump, viel Geld für die Sanierung der amerikanischen Infrastruktur ausgeben möchte, aber bereits bis über beide Ohren verschuldet ist, der braucht also, laut Welt, den Goodwill des Kapitalmarkts:

»Die weltgrößte Volkswirtschaft und Militärmacht Nummer eins ist hoch verschuldet und permanent auf ausländische Darlehen angewiesen. Es ist die größte Schwachstelle von Donald Trumps großem Plan.«

Die Amerikaner brauchen also Dollars von Ausländern, um sich die geplante Sanierung ihrer verrotteten Infrastruktur leisten zu können. Diese Ausländer sind aber genau die Länder, die Trump mit seiner unseligen Diskussion über die Schädlichkeit von Exportüberschüssen vor den Kopf gestoßen hat. Verständlicherweise sind daher viele Länder, wie z.B. China und Japan, etwas verschnupft und reagieren mit Zinsaufschlägen oder ziehen sich sogar aus der „Finanzierung der USA“ zurück:

»Aktuell halten Ausländer noch Papiere im Volumen von 5,94 Billionen Dollar, das sind 43 Prozent aller börsengehandelten US-Schulden. Im Jahr 2008 betrug der Anteil einmal 56 Prozent. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnten ausgerechnet die Ausländer, auf die Trump so wenig Rücksicht nimmt, sein ambitioniertes Konjunktur- und Steuerprogramm gefährden. Von Investitionen für eine Billion Dollar war die Rede, hier müssen die Investoren mitziehen.«

Freilich fragt man sich schon an dieser Stelle, wer denn die vielen amerikanischen Schuldtitel gekauft hat. Offensichtlich gab es Investoren, für die amerikanische Staatspapiere durchaus von Interesse waren. Kämen diese Investoren nicht für die Refinanzierung von Trumps Einkaufstour in Frage? Egal, scheinen sich die Redakteure der Welt zu sagen, wie das im Einzelnen aussehen mag – wenn die Ausländer weniger bereit sind, die amerikanischen Schulden zu refinanzieren, dann gibt es auf jeden Fall weniger Nachfrager nach amerikanischen Staatsanleihen. Es ist daher sonnenklar, dass „die amerikanischen Marktzinsen weiter nach oben gerissen“ werden.

Aber ist das nicht eine gute Sache? Ist es nicht so, dass die Sparer unter der Niedrigzinspolitik leiden und man gerade in Deutschland Mario Draghi immer wieder auffordert, uns unseren Zins wieder zurückzugeben? Es ist schon auch gut, insbesondere für die Sparer, wenn der Zins steigt, meint die Welt, aber es besteht eben auch die Gefahr, dass es dann des Guten zu viel wird:

»Ab einem bestimmten Niveau werden die damit einhergehenden Kosten zu einer Belastung für die Börse und die Konjunktur. Experten verorten die kritische Schwelle bei drei Prozent. Werden sich Regierung und Marktteilnehmer nicht einig, drohen finanzielle Verwerfungen.«

Wie ist das eigentlich genau? Ist für die niedrigen Zinsen in der Eurozone die EZB und für die steigenden in den USA der gestrenge Kapitalmarkt verantwortlich zu machen? Solche Fragen mag man sich offensichtlich nicht stellen und verdrängt daher auch die Tatsache, dass die FED Ende letzten Jahres recht überraschend den Leitzins erhöht und weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt hat (siehe dazu den Makroskop-Artikel von Jörg Bibow). Dass sich die Renditen für amerikanische Staatsanleihen erhöht haben, kann für die Welt offenbar nur daran liegen, dass sich der Kapitalmarkt zunehmend Sorgen über die „furchteinflößende“ Verschuldung der Amerikaner macht:

»Wenn man sie auf jeden einzelnen Bürger herunterrechnet: Dann steht jeder Amerikaner, vom Baby bis zum Greis, mit rund 61.000 Dollar in der Kreide. Zum Vergleich: Jeder Deutsche ist rechnerisch mit 27.000 Dollar verschuldet, wiederum nur auf die öffentlichen, nicht die privaten Verbindlichkeiten bezogen.«

Damit uns so richtig Angst und Bange wird, werden wir darüber informiert, dass selbst in Griechenland, das der Kapitalmarkt ja quasi boykottiert, diese Verschuldung pro Kopf lediglich $ 33.000 beträgt. Also scheint die Lage für Trump doch ziemlich bedrohlich zu sein. Muss demnach auch Amerika bald Hilfe unter dem Rettungsschirm des IWF suchen?

Nachdem die Welt versucht hat, uns Glauben zu machen, dass die Kapitalmärkte Trump schon zur Räson bringen werden, überrascht dann ihre Antwort auf die Frage, was denn Trump ohne das Geld der ausländischen Investoren macht, schon etwas:

»Freilich bleibt Trump noch ein Ausweg. Sollten die ausländischen Investoren den Konflikt suchen, könnte die amerikanische Notenbank Fed als Retter einspringen und ihr Anleihekaufprogramm wieder aufnehmen.«

Die Macht des Kapitalmarkts ist also für ein Land mit einer eigenen Zentralbank genau Null! Sollte das Griechenland in seiner erneuten Auseinandersetzung mit der Troika und dem IWF nicht zu denken geben? Ein Land jedenfalls, das über die Fähigkeit verfügt, selbst „Geld zu drucken“ – da muss man der Welt recht geben – braucht sich weder in die Abhängigkeit von ausländischen noch von inländischen Investoren begeben, um alle verfügbaren Ressourcen in seinem Land für welche Zwecke auch immer zu mobilisieren.

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