Genial daneben | 24.03.2017 (editiert am 28.03.2017)

Der nördliche Sozialdemokrat, der Schnaps und die Frauen im Süden

Jeroen Dijsselbloem ist nicht die Ausnahme, er ist die Spitze des Eisberges. Seine offene Beleidigung setzt nur fort, was der Norden seit Ausbruch der Krise mit dem Süden treibt.

Ja, es ist schlimm. Es ist schlimm, wenn ein Mensch aus dem Norden all seine Vorurteile gegenüber denen in Europas Süden in aller Öffentlichkeit auspackt. Dass Jeroen Dijsselbloem, der das in einem Interview mit der FAZ (nicht frei verfügbar) tat, Chef der Eurogruppe ist, also just der Gruppe, die regelmäßig über Länder im Süden quasi zu Gericht sitzt, ist doppelt schlimm (hier ein Bericht des Standard dazu).

Dass sich, wie einige Medien (hier das Handelsblatt) berichten, Politiker des Südens darüber aufregen und sagen, so einer wie der dürfe nicht Chef der Eurogruppe bleiben, kann man verstehen. Warum aber erst jetzt? Dass der ehemalige Premierminister Italiens Matteo Renzi erst heute sagt, „Leute wie Dijsselbloem […] verdienen nicht die Rolle, die sie einnehmen“, das kann ich nicht nachvollziehen. Dijsselbloem hat diese Rolle noch nie verdient, nur hat Herr Renzi das seltsamerweise nicht gemerkt. Und dass es eine brutale Beleidigung brauchte, damit Herr Renzi das versteht, das zeigt die ganze Misere Europas. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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