Archiv flassbeck-economics | 15.03.2017 (editiert am 16.03.2017)

Kaufkrafttheorie der Löhne – eine fruchtlose Endlosdebatte

Wie müssen die Löhne steigen? Die richtige Antwort wird mit der sogenanten „Goldenen Lohnregel“ gegeben. Sie beschreibt eine Gratwanderung zwischen der Kaufkraft- und Gewinntheorie der Löhne, die ihrerseits isoliert betrachtet beide falsch sind.

Vor ein paar Tagen erreichte uns folgende Anfrage eines VWL-Studenten zum Thema Kaufkrafttheorie der Löhne als Argument für Lohnsteigerungen: Ein Professor X habe in einer Arbeitsmarktökonomik-Vorlesung die Erhöhung der Löhne zur Nachfragestabilisierung in einer Krise mit dem Argument abgelehnt, das käme dem Verschenken von Gütern gleich und stelle daher keinen Anreiz für mehr Investitionen dar. Außerdem könne man nach dieser Logik ja auch gleich alle Güter verschenken und schon sei die Welt wieder in Ordnung.

Was hätte der ob dieser „Beweisführung“ konsternierte Student einwenden können? Nun, er hätte die Gegenfrage stellen können, ob denn umgekehrt eine Krise dadurch zu lösen sei, dass die Arbeitnehmer ihre Arbeitskraft einfach an die Unternehmer verschenken, sprich: sich mit einem Lohn von Null zufrieden geben. Dann handelte es sich zwar um eine Gesellschaft von Sklaven und Sklavenhaltern, aber zur Klärung grundlegender Zusammenhänge ist das Nachdenken über extreme Varianten bekanntlich hilfreich.

Professor X hat bei seiner Überlegung nicht näher erklärt, woher denn die zu verschenkenden Güter stammen. [...]

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