Demokratie und Staat | 21.03.2017 (editiert am 25.07.2017)

Keine Grenzen, nirgends

Wenn „Grenzüberschreitung“, Freizügigkeit und Entwurzelung als höchstes Freiheitsziel gelten.

Der „Grenzüberschreitende Lebensentwurf“ ist „in“. Er hat viele Namen, in denen er zum Ausdruck kommt. Kosmopolitismus, Globalismus, Multikulturalismus, Transnationalismus. Sie meinen nicht alle dasselbe, lassen sich aber in ihrer Verwendung auf ein sich überschneidendes ideologisches Grundmotiv herunterbrechen. Aus diesen Zutaten ist nicht mehr nur die Suppe des hippen, linksgrünen Lifestyles des 21. Jahrhundert gekocht. Und längst nicht alleine die radikale Linke subsumiert all dies unter dem Slogan „no borders, no nations“.

Migrationsbewegungen und Transformationsprozesse, die durch diese Begriffe mitunter beschrieben werden sollen, sind in Großstädten seit Jahrzehnten Realität. So wird der „grenzüberschreitende Lebensentwurf“ etwa in Erol Yildiz Buch „Die weltoffene Stadt“ als fortgeschrittenes Phänomen multikultureller Urbanität geschildert. Freilich ist gegen solche, natürlich gewachsenen Formen von Vielfalt und Internationalität, wie sie der türkischstämmige Professor für Soziologie skizziert, im Mikrokosmos diverser selbstgewählter Einzelschicksale nichts einzuwenden.

Problematisch wird es dann, wenn daraus, wie in dem oben erwähnten Slogan, eine politökonomische Agenda wird, die Globalisierungs-, Migrations- und Transnationalisierungsprozesse zu einem ideologischen Leitbild macht, dem alles andere untergeordnet werden soll. Genau dies geschieht etwa in Form von Freihandelsabkommen wie TTIP oder Ceta, sowie in der EU durch Marktliberalisierungen im Namen der „Vier Grundfreiheiten“. [...]

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