Ökologie | 04.04.2017

Der Irrtum der Postwachstumsdebatte – 1

Nullwachstum kann keine Lösung sein. Der entscheidende Hebel für die Rettung der Umwelt ist eine Änderung der Produkte und Verfahren. Plädoyer für ein Investitionsprogramm, das innovative Potenziale in eine neue Richtung lenkt.

Wie wäre Ökokapitalismus möglich?[1] Um diese Frage zu beantworten, muss der Kern der ökologischen Krise benannt werden – der die Umwelt zerstörende Ressourcenverbrauch[2]: die CO2-Emissionen und die Emission anderer Klimagase, Schadstoffe und Abfälle und die Nutzung von Rohstoffen jenseits der Tragfähigkeitsgrenzen (beispielsweise Wasser und Abwasser, seltene Erden, Erdöl und andere Rohstoffe). Es geht also um die Stoffströme zwischen der menschlichen Produktion bzw. Konsumtion und der Natur, die Entnahmen und die Abprodukte.

Die Postwachstumstheoretiker wollen dieses Problem indirekt lösen. Statt Mittel zu entwickeln, die die Stoffströme selbst angehen, reduzieren oder umweltkompatibel verändern, soll das Wirtschaftswachstum eingestellt oder begrenzt werden. Gäbe es kein Wachstum, so das Argument, würden auch die Umwelt zerstörenden Stoffströme nicht mehr wachsen.

Das kann man nicht bestreiten. Die ökologischen Probleme sind die Folge des Wachstums, der ungeheuren Dynamik, die mit dem Kapitalismus in der industriellen Revolution in die Welt gekommen ist und die zu einer Vervielfachung der Produktion, der Bevölkerung und des Konsums – und in Folge dessen zur übermäßigen Belastung der Natur geführt haben.

Das Wachstum der Vergangenheit ist die Ursache für die Umweltprobleme von heute. Kehrt man diesen Schluss um: „Ohne Wachstum hätten wir die Umweltprobleme nicht“.

Auch das kann man kaum bestreiten (obwohl man fragen könnte, was hätten wir eigentlich noch alles nicht, wenn es die wirtschaftliche Entwicklung seit der industriellen Revolution nicht gegeben hätte?). Der Haken ist nur, dass man die Entwicklung der letzten 250 Jahren nicht wieder zurücknehmen kann. Daher ist das Argument letztlich fiktional. Es hat keinen sachlichen, sondern einen kommunikativen Zweck: „Wer hat Schuld?“

Eine Änderung der Produkte und Verfahren ist nötig

Ohne Wachstum hätten wir die Umweltprobleme nicht, also muss man das Wachstum einstellen. Aber würden bei Nullwachstum die Umwelt zerstörenden Stoffströme auch sinken? Nein, erst negatives Wachstum würde zu einer Reduzierung der umweltschädlichen Stoffströme führen. Keine umweltbelastenden Stoffströme gäbe es erst, wenn die Weltwirtschaft tendenziell gegen Null geschrumpft wäre.

So weit geht die Postwachstumsideologie dann doch nicht. Das negative Wachstum muss die Produktion nicht auf Null, sondern nur so weit reduzieren, dass die Ressourcenbelastung unter die Tragfähigkeitsgrenzen sinkt. Man kann ausrechnen, dass dies je nach Indikator nur für einen Teil der derzeitigen Weltbevölkerung reichen würde, die zudem immer noch wächst. Betrachtet man die Tragfähigkeit, bezogen auf die CO2 Emissionen, so würde eine Absenkung unter die Tragfähigkeitsgrenze nicht mal für ein Zehntel der heutigen Weltbevölkerung reichen. … Es sei denn, man ändert die Produkte und Verfahren so, dass weniger und schließlich gar kein CO2 mehr emittiert würde. Dann aber wäre nicht die Wachstumsreduzierung, sondern die Änderung der Produkte und Verfahren der entscheidende Hebel.

Die paradoxen Vorstellungen einer Lösung der Umweltkrise durch Schrumpfung zeigen, dass das in Wirtschaftswissenschaften übliche quantitative Denken, alles durch die Zunahme oder Abnahme von numerischen Größen erklären zu wollen, in die Irre führt. Es geht um Innovationen, Investitionen in umweltkompatible Produkte und Verfahren, also um wirtschaftliche Entwicklung. Allerdings um eine wirtschaftliche Entwicklung, bei der Stoffströme, Verbrauch von Rohstoffen, Emission von Schadstoffen und Abprodukten absolut sinken und nicht umweltkompatible Produkte und Verfahren binnen 30 bis 50 Jahren verschwinden und durch neue, umweltkompatible ersetzt werden.[3]

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich will das Argument nicht umdrehen und sagen, wir brauchen Wachstum. Wir brauchen Entwicklung. Wir brauchen sinkende Stoffströme und Ressourcenbelastungen, aber durch neue Produkte und Verfahren. Ich habe nichts gegen weniger Massenkonsum und bin für eine sinkende Arbeitszeit, wenn dies trotz des für den Umbau erforderlichen Investitionsschubs möglich ist.

Nullwachstum kann nicht die Lösung sein

Nullwachstum oder negatives Wachstum mag gut sein für die eigene Gesundheit, das Wohlbefinden, die Suche nach Glück jenseits des Massenkonsums, für die freie Persönlichkeitsentwicklung beim Urbanen Gardening im Wohngebiet und auf den Großstadtbalkonen, für die Erziehung der Kinder und für die eigene Seele. Ich will das nicht denunzieren, ich habe selbst so gelebt und war mit meinen Ziegen, Enten, Hühnern und dem Garten viele Jahre sehr glücklich. Allerdings habe ich nie geglaubt, ich könne mit einem kleinen Bauernhof zum ökologischen Umbau der Industriegesellschaft beitragen.

Nullwachstum oder negatives Wachstum mag gut sein für alles Mögliche, aber zur Lösung der Umweltkrise trägt es nicht bei. Dazu sind andere Maßnahmen erforderlich. Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik:

„Wir können zeigen, dass wir bis 2050 im Wesentlichen die Emissionen in der Weltwirtschaft auf Null reduzieren müssen, wenn wir das 2-Grad-Ziel erreichen oder sogar darunter bleiben wollen. Das ist eine relativ kurze Frist, in der wir die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft hinbekommen müssen. Wir haben in den letzten Arbeiten des Wissenschaftlichen Beirates außerdem gezeigt: Bei nahezu allen Ressourcen, mit denen wir unsere Wirtschaft antreiben, werden wir bis etwa 2050 bis 2070 lernen müssen, sie in Kreisläufen zu führen, um deren Degradierung zu verhindern. Das heißt, bis 2050/2070 muss eine dekarbonisierte Weltwirtschaft aufgebaut werden und wir müssen eine im Wesentlichen geschlossene Weltkreislaufwirtschaft entwickeln.“[4]

Würde die besser verdienende Hälfte der reichen Länder ihren Konsum halbieren, würden die Emissionen um 25 Prozent sinken. Einmalig und auch nur, wenn auch alle Infrastrukturleistungen um 25 Prozent abgebaut und die Einsparungen nicht durch Mehrkonsum der ärmeren Menschen aufgebraucht würden. Man sieht schnell, dass die von Messner angesprochenen Ziele so nicht erreicht werden könnten. 25 Prozent wären viel zu wenig. Der einzige Weg ist Reduzierung der Stoffströme durch die Veränderung der Produkte und Verfahren.

Es ist schwer zu verstehen, warum die Debatte nicht direkt bei den Stoffströmen und Umweltbelastungen ansetzt, sondern beim Wachstum – obwohl dieser Zusammenhang zumindest sehr vermittelt und zudem umstritten ist. Warum limitiert man nicht die CO2-Emissionen? Jedes Jahr zwei Prozent weniger (bezogen auf die heutigen Emissionen), dann wäre man in 50 Jahren bei Null. Das würde vielleicht reichen, um einen extremen Klimawandel gerade noch abzuwenden. Vielleicht ist mehr möglich, wenn man erst mal auf dem Weg ist. Vielleicht kann man in 10 Jahren jährlich das Doppelte, vier Prozent, reduzieren und in 20 Jahren noch mehr.

Innovative Potenziale

Dies geht natürlich nicht mit freiwilligen Vereinbarungen oder unverbindlichen Beschlüssen, sondern nur mit Rationierung, am besten marktkonform über eine jährlich sinkende Menge an CO2-Emissionszertifikaten bei strenger öffentlicher Kontrolle der Emissionsbörsen und der CO2 emittierenden Unternehmen. Ist die maximale Menge an CO2-Emissionen vorgegeben, wird diese jährlich abgesenkt, gibt es keine Ausnahmen und Extrakontingente für Industrielobbyisten und wird Missbrauch konsequent bekämpft, dann sinken die CO2-Emissionen tatsächlich und zwar unabhängig davon, ob es dabei Wirtschaftswachstum gibt oder nicht (was immer Wirtschaftswachstum bei sinkenden Stoffströmen sein mag). Macht man das für alle kritischen Stoffströme und Belastungen, dann verändert sich die Wirtschaft in Richtung Umweltkompatibilität.

Anhänger der neoklassischen Wachstumstheorien werden sagen, dann geht die Wirtschaft unter, weil das Wachstum abgewürgt wird. Aber Postwachstumstheoretiker sollten diese Idee unterstützen. Eine Limitierung der Stoffströme ist viel eher kommunizierbar und legitimierbar als eine allgemeine Einkommensreduzierung, die erfahrungsgemäß nur die Reichen und Superreichen mit Begeisterung annehmen würden.

Ich glaube allerdings nicht, dass eine Limitierung der Stoffströme auf der Basis eines langfristigen Reduzierungspfades zum Zusammenbruch der Wirtschaft oder zu negativem BIP-Wachstum führte. Vielmehr würde es innovative Potenziale in eine neue Richtung lenken – hin auf Innovationen, die nicht mehr Arbeitsproduktivität und Massenkonsum steigern (das war das zentrale Selektionskriterium der Innovationen im fordistischen Teilhabekapitalismus), sondern umweltkompatible Produkte und Verfahren entwickeln, die die bisherigen ersetzen und nicht umweltkompatible Stoffströme reduzieren.

Von Jahr zu Jahr würden die nicht umweltkompatible Produktion und der nicht umweltkompatible Konsum sinken, stattdessen würden umweltkompatible neue Produkte und Produktionsmittel, neue Konsummuster entstehen. Ob dabei der Konsum und die Produktion gesunken oder gestiegen sind kann man erstens nicht trivial messen[5] und es ist zweitens auch egal, Hauptsache die Ressourcenbelastung sinkt absolut und mit hinreichendem Tempo.

Bislang aber gibt es fast keine auf die Limitierung und Reduzierung der Stoffströme, der Umweltbelastungen und auf Umweltkompatibilität gerichtete Selektion von Innovationen, nur wenige erste Ansätze.

Absenkungspfad und Investitionsprogramm

Nach meiner Überzeugung bedarf es zwei zentraler Maßnahmen, um diesen Pfadwechsel herbeizuführen: Erstens einer Bewirtschaftung aller relevanten ökologischen Ressourcen (Rohstoffe, Emissionen und genutzten Ökosysteme) bei Limitierung auf einen sinnvollen Absenkungspfad, der binnen 20 bis 30 Jahren unter die jeweilige Tragfähigkeitsgrenze führt. Dies gilt für zunächst für CO2 und Klimagase, dann für Wasserkreisläufe, kritische Chemikalien und Rohstoffe, später für alle relevanten Ressourcen.[6]

Zweitens ist ein Investitionsprogramm erforderlich, das die Entwicklung und Implementation neuer Produkte und Verfahren im Bereich der Produktion, der Konsumtion und der Infrastruktur finanziert: Investitionen, die die Unternehmen, der Staat und die Haushalte bei der Umstellung der Produktion und Konsumtion tätigen müssen.

Die landläufige Vorstellung (schwäbischer Finanzminister und Hausfrauen) ist, man müsse „das Geld“ irgendwo einsparen, um das alles finanzieren zu können. Dann aber wären Investitionen dieser Größenordnung unmöglich. Nötig sind Investitionsvolumen in der Größenordnung von 500 bis 1.000 Milliarden Euro jährlich über 30 bis 50 Jahre allein in der EU, entsprechend mehr, vermutlich 2.000 Milliarden jährlich, für die Welt.

Dies kann niemand bei lebendigem Leibe „einsparen“. Man muss verstehen, dass es eigentlich nicht ums Geld geht, sondern um Produktionskapazitäten, die aus alten Verwendungen abzuziehen und neuen Verwendungen zuzuführen sind. Das ist der „hinter“ einer Finanzierung stehende realwirtschaftliche Vorgang.

Derzeit gibt es in der Weltwirtschaft Export-Überschüsse und dementsprechende Handelsbilanzdefizite in der Größenordnung von mehr als 1.000 Mrd. Dollar pro Jahr, allein Deutschland hat Überschüsse in Höhe von fast 300 Mrd. Euro jährlich. Diese Fehlentwicklungen reduzieren das Produktionspotenzial in den Defizitländern, führen dort zur Deindustrialisierung, zu steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Einkommen; in den Überschussländern sind zurückbleibende Einkommen, stagnierende Binnenmärkte und mangelnde Infrastrukturinvestitionen die Folgen.

Zudem funktioniert dieser aus der Wechselwirkung von merkantilistischen Export-Überschussregimen mit schuldenfinanzierten Konsum-Boom-Regimen bestehende Double-Bind-Kapitalismus nur dadurch, dass Überschüsse und Defizite über die Emission und Zirkulation von Schuldscheinen, alias Wertpapieren, miteinander verknüpft sind. Sie kommunizieren mittels Spielkasino und riskieren täglich den Zusammenbruch der Geld- und Finanzsysteme, ohne die nichts mehr in dieser Welt funktionieren kann.

Globale Orientierung

Die Alternative zu dem absurden Finanzmarktkapitalismus der vergangenen Jahrzehnte wäre eine globale Orientierung auf den ökologischen Umbau, finanziert durch Kredite öffentlich kontrollierter Banken nach dem Vorbild der KfW, der Europäischen Investitionsbank und einer neu ausgerichteten Weltbank, die an bestimmte inhaltliche Kriterien gebundene Investitionskredite ausgeben. Diese Programme könnten refinanziert werden durch die Ausgabe von Umweltanleihen.

Damit würden öffentlich kontrollierte und sichere Anlagemöglichkeiten geschaffen und es gäbe wieder halbwegs akzeptable Zinsen, z.B. für Finanzanlagen von Versicherungen und Rentenfonds und Spareinlagen der privaten Haushalte, allerdings keine exorbitanten Spekulationsgewinne. Es ginge nicht nur und nicht in erster Linie um Steuern und Staatsausgaben, sondern um einen veränderten Finanzmarkt für öffentliche und private Investitionen, um Kreditlenkung.

Realwirtschaftlich würde ein derartiges Investitionsprogramm die derzeit in Exportüberschüsse fließenden Kapazitäten (Arbeit, Rohstoffe, Kapital) nach und nach in ökologische Investitionen umlenken. Das muss anfangs schrittweise ablaufen, da es nicht nur um einen umzulenkenden Geldstrom geht, sondern um die praktische Umstellung realer Produktionsstrukturen, um veränderte Produkte, veränderte Technik, geänderte Arbeit, andere Strategien im Management.

Man könnte sich wünschen, dass die Unternehmen, die derzeit an Exportüberschüssen verdienen (Volkswagen hat über 7 Mrd. Euro Gewinn im Jahr 2016 trotz des Diesel-Skandals und der enormen Strafen und Schadenersatzforderungen), auch diejenigen sind, die ihr Überleben im 21. Jahrhundert durch Umstellung auf umweltkompatible Produkte und Verfahren sichern.

Doch Erfahrungen zeigen, dass das kaum klappt. VW hätte ja tatschlich das umweltkompatible Auto oder Verkehrssystem erfinden und entwickeln können. Stattdessen hat man sich um die Manipulation von Umweltdaten gekümmert, Betrug ist profitabler. Ob sich alte Unternehmen umstellen oder ob sich neue gründen und die alten verdrängen, bleibt abzuwarten. Bislang aber fehlt der Rahmen, der eine solche Neuorientierung der Entwicklungsrichtungen ermöglicht und erzwingt.

Aus meiner Sicht ist es die Kombination von Ressourcenbewirtschaftung auf definierten Reduzierungspfaden mit einem durch Kreditlenkung gestalteten Investitionsprogramm für die private und die öffentliche Wirtschaft, für Haushalte, Kommunen und staatliche Infrastruktur, die Kern eines ökonomischen Konzepts des ökologischen Umbaus werden könnten.

Es ist aber fraglich, ob die Zeit für den Umbau noch reicht und man einen Pfadwechsel gegen die gut organisierten Lobbyinteressen der Energiekonzerne, der Finanzmarktakteure und der neoliberalen Politikorganisationen durchsetzen kann. Naomi Klein schreibt in ihrem Buch „Kapitalismus vs. Klima“ ernüchterndes:

2011 führte die Carbon Tracker Initiative, eine in London ansässige Denkfabrik, eine wegweisende Studie durch, die sämtliche von staatlichen und privaten Förderunternehmen angegebenen Reserven erfasste. Danach entsprechen die Öl -, Gas – und Kohlevorkommen, auf die diese Unternehmen bereits Anspruch erheben – Vorkommen, die schon jetzt in ihren Büchern stehen und mit denen Gewinne für ihre Aktionäre erzielt werden – 2795 Gigatonnen Kohlenstoff. Das ist äußerst problematisch, weil wir in etwa wissen, wie viel Kohlenstoff wir von heute bis zum Jahr 2050 verbrennen dürfen, wollen wir die ernsthafte Chance wahren (ungefähr 80 Prozent), die Erwärmung unter 2 Grad Celsius zu halten: 565 Gigatonnen Kohlenstoff in der Zeit von 2011 bis 2049. »Es bleibt festzuhalten, dass 2795 das Fünffache von 565 ist. Es ist nicht mal nah dran«, führt Bill McKibben aus, und er fügt noch hinzu: »Was diese Zahlen bedeuten, ist ziemlich simpel. Diese Industrie hat durch Anträge an die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde und durch Versprechen an ihre Aktionäre zu verstehen gegeben, dass sie vorhat, fünfmal so viel fossile Brennstoffe zu verbrennen, wie die Erdatmosphäre aufnehmen kann.«


Anmerkungen:

[1]         Siehe auch „Kapitalismus reloaded“ und Thesen für ein ökonomisches Konzept des Green New Deal. www.rla-texte.de.
[2]         Unter Ressourcen verstehe ich, wenn nicht ausdrücklich Arbeitskräfte, Produktionsmittel o.ä. genannt sind, hier ökologische Ressourcen. Ökologische Ressourcen sind Rohstoffdepots (einschließlich Primärenergie), und Senken für Emissionen und Deponie von nicht recycelten Abprodukten (Müll), sowie Boden, Gewässer und Wasserkreisläufe und die Atmosphäre, also alle Ökosysteme, soweit diese real oder potenziell wirtschaftlich genutzt werden.
[3]         Ich halte dies für möglich, technologisch jedenfalls gibt es keine überzeugenden Argumente dagegen. Nur ein Beispiel: Man kann fast alles aus Biomasse machen, wie die Natur beweist: zugfeste Fäden (Spinnenfäden), harte Materialien (Zähne), effiziente Gerüste (Insekten, Skelette), effiziente chemische Fabriken (Leber, Nieren), geschlossene Stoffkreisläufe (Wiederverwertung von Biomasse durch ausdifferenzierte Ketten von Organismen) und auch die komplexesten Computer und Datenverarbeitungssysteme (Nervensysteme und Gehirne, die sind langsamer, aber komplexer als die aus Plaste, Silizium und Metall). Biomasse ist im Prinzip umweltkompatibel, ist vollständig recycelbar, kann in Kreisläufen geführt werden, die Rohstoffe, Sonnenlicht, Wasser, CO2 und in geringen Mengen Mineralien stehen ausreichend zur Verfügung und werden im Biomassekreislauf zu fast 100 Prozent wiederverwertet. Man kann eigentlich alles aus Biomasse machen. Eine vollständig umweltkompatible Wirtschaft ist daher theoretisch möglich.
[4]         Dirk Messner: Die Agenda 2030 als internationale Aufgabe. Symposium „Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“ (Bonn, 21. September 2016) zum 15-jährigen Bestehen der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen. Online: http://www.sue-nrw.de/wp-content/uploads/2016/11/Rede-Prof-Messner.pdf; 30.03.2017
[5]         Man kann ein sich qualitativ veränderndes BIP nicht einfach am Vorjahres-BIP messen, dies ist der falsche Schein monetärer Maße. Vgl. Rainer Land (2013): Zur Unterscheidung zwischen Wirtschaftswachstum und wirtschaftlicher Entwicklung.  http://www.rla-texte.de/texte/1%20Evolution/Wachstum%20oder%20Entwicklung.pdf S. 26f
[6]         Details siehe Anm. 1

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