Konjunktur | 18.04.2017

Die europäische und deutsche Konjunktur im Spätwinter 2017 – 2

Die Konjunktur in Europa bleibt auch im Spätwinter schwach. Bei der Industrieproduktion verzeichnen einige kleine Länder zwar eine Belebung, von einem europäischen Aufschwung kann auch weiterhin nicht die Rede sein. Man fragt sich, wie es gelingt, diese katastrophale industrielle Entwicklung immer wieder durch Jubelmeldungen zu überdecken.

Im Februar ist die Produktion im verarbeitenden Gewerbe im Euroraum insgesamt leicht gesunken (Abbildung 1). Dahinter verbergen sich ganz unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Ländern. Deutschland liegt jetzt immerhin leicht über dem Niveau von 2011, Frankreich stagniert industriell seit 2011 und Italien befindet sich trotz einer leichten Erholung im vergangenen Herbst immer noch weit unter dem Niveau von 2011, also immer noch in der Rezession.


Abbildung 1


In Südeuropa werden ebenfalls die Produktionsniveaus von 2011 noch nicht wieder erreicht (Abbildung 2). Spanien und Portugal haben keinerlei Fortschritt in der Industrie zu verzeichnen, was insbesondere für Spanien die BIP-Berechnungen, die durchgängig stabiles Wachstum anzeigen, noch fragwürdiger als zuvor macht.


Abbildung 2

 


In Griechenland ging es zuletzt aufwärts, aber man muss abwarten, bevor man sagen kann, ob das nur ein Zufallsereignis ist oder der Beginn einer Trendwende.

In den nördlichen kleineren Industrieländern ging es zuletzt wieder abwärts, nachdem es vor allem in Belgien und in Österreich etwas besser ausgesehen hatte (Abbildung 3). Die Niederlande können sich immer noch nicht klar von dem Rezessionsniveau lösen, auf das sie in der Industrie nach 2014 gefallen waren. Auch hier liegt die Produktion noch unter den Werten von 2011.


Abbildung 3


In Nordeuropa bleibt die industrielle Entwicklung, außer für Dänemark, sehr enttäuschend (Abbildung 4). Norwegen, Finnland und Schweden stagnieren weitgehend, insbesondere für Finnland ist trotz einer langen Durststrecke von über fünf Jahren noch immer kein Land in Sicht. Offensichtlich bringen die „strukturellen Reformen“ nicht das, was die Politik sich davon erhofft hat.


Abbildung 4


Anders im Baltikum. Dort hat es seit Mitte vergangenen Jahres eine industrielle Belebung gegeben, die doch für alle drei Länder inzwischen einen Zuwachs von fast zehn Prozent gebracht hat (Abbildung 5). Das ist erfreulich, man muss aber abwarten, um sagen zu können, ob das der Beginn einer wirklichen Erholung oder nur ein einmalige Angelegenheit ist. Es könnte sein, dass der schwache Euro einen erheblichen Anteil an diesem Erfolg hat. Immerhin haben diese Länder jetzt doch über die letzten fünf Jahre gesehen, eine, wenn auch sehr langsame, wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung im verarbeitenden Bereich zustande bekommen.


Abbildung 5


Aufwärts geht es auch in den Ländern, die größere währungspolitische Eigenständigkeit aufweisen (mit Ausnahme Sloweniens), auch wenn sie ebenfalls von der Schwäche ihrer Währungen gegenüber dem Dollarraum profitieren dürften (Abbildung 6). Polen, Tschechien und Ungarn sehen ebenfalls seit Mitte vergangenen Jahres eine deutlichere Aufwärtsbewegung als zuvor. Slowenien und die Slowakei bleiben auf der Erfolgslinie.


Abbildung 6


Von der osteuropäischen Aufwärtsentwicklung ebenfalls mitgenommen wird Rumänien, wo es, wie im Baltikum, seit Mitte vergangenen Jahres in der Industrie wesentlich besser läuft (Abbildung 7). Bulgarien und Kroatien dagegen kommen nur sehr langsam auf Touren. In Kroatien hat es sogar seit Jahresbeginn einen deutlichen Rückschlag gegeben.


Abbildung 7


Auch in den ganz kleinen Ländern wie Malta, Zypern und Irland ist die Entwicklung verhalten (Abbildung 8). Irland erlebte im Februar erneut einen sehr starken Rückgang der Produktion, wobei das bei der extremen Volatilität, die dort seit 2015 zu beobachten ist, nicht viel heißen muss. Malta und Zypern passen sich der Stagnation im restlichen Südeuropa an.


Abbildung 8


Insgesamt gesehen ist die Lage der europäischen Industrie weiterhin katastrophal. Ohne Deutschland gibt es auch sechs Jahre nach dem letzten bescheidenen Höhepunkt keinerlei Aufwärtsentwicklung. Ohne Zweifel ist das die Folge einer insgesamt deflationären Einkommensentwicklung, wie wir im dritten Teil des Konjunkturberichts und dann in einem eigenen Beitrag näher erläutern werden.

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