EU | 19.04.2017 (editiert am 24.04.2017)

Europäische Arbeitskosten: Unter deutschem Einfluss auf deflationärem Pfad – 1

Die europäischen Arbeitskosten sind von Land zu Land weiterhin extrem unterschiedlich. Doch das hätte die Europäische Währungsunion, anders als viele glauben, ohne weiteres verkraften können. Nur die Anpassung der nationalen Arbeitskosten an die eigene Produktivität war verlangt.

Immer wieder kann man in der deutschen Presse lesen, es habe inzwischen eine Lohnwende in Deutschland gegeben. Nach Jahren der Lohnzurückhaltung stiegen jetzt die Löhne in Deutschland wieder kräftig. Vielfach wird sogar darauf hingewiesen, dass in den letzten Jahren die Löhne in Deutschland sogar stärker gestiegen sind als in anderen Mitgliedsländern der EWU.

Das ist richtig, sagt aber gerade nicht das aus, was man damit sagen will. Selbst wenn in einigen der letzten Jahre oder über mehrere Jahre die Arbeitskosten in Deutschland stärker zulegen als in einigen Ländern, einer Gruppe anderer Länder oder der EWU insgesamt, dann bedeutet das nicht, das der deflationäre Druck, der über viele Jahre von Deutschland ausgegangen ist, verschwunden ist.

Abbildung 1 zeigt das Ausmaß der deutschen „Lohnzurückhaltung“ gegenüber der gesamten EWU (inklusive Deutschlands sogar, was die EWU-Kurve nach unten zieht) seit Beginn des Jahrhunderts. Man sieht sofort, dass die jüngste Umkehr dieser Entwicklung bei den Arbeitskosten insgesamt (also diesmal nicht bei den Lohnstückkosten, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden