Kommentar | 18.05.2017 (editiert am 20.05.2017)

Äpfel vom Markt oder von den Bäumen?

Schon wieder eine erregte ordnungspolitische Debatte: Darf man den Obstbauern, die schwere Ernteschäden wegen der ungewöhnlichen Nachtfröste erwarten, von Seiten des Staates helfen?

Anders gefragt: Was spricht dagegen, Obstbauern, die in diesem Jahr wegen Nachtfrösten fast nichts ernten, mit staatlichen Mitteln über das Jahr zu helfen? Die Antwort: Nichts, außer Ideologie.

In bestimmten Gegenden wird es dieses Jahr kein Obst geben. Nicht schlimm, sagen die meisten Konsumenten, wir kaufen unser Obst ja im Supermarkt, da gibt es immer welches. Wenn es kein deutsches Obst gibt, kaufen wir eben neuseeländisches. Der Apfelsaft und der Orangensaft kommen sowieso hauptsächlich aus China, da haben sie keine Nachtfröste.

Gut so! In der globalisierten Wirtschaft gibt es immer alles und wenn es auf der Nordhalbkugel nichts gibt, kaufen wir das gleiche eben auf der Südhalbkugel. Was aber ist mit den Obstbauern, die ein ganzes Jahr fast nichts verkaufen können? Die haben eben Pech gehabt, der Markt fegt sie hinweg. Im nächsten Jahr verkaufen nur noch die, die Glück oder einen reichen Schwager hatten und dieses Jahr überlebt haben.

Wie zynisch. Eigentlich dachten wir, die Marktwirtschaft belohnt den, der tüchtig ist und bestraft den, der nichts zustande bringt. [...]

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