EU | 11.05.2017 (editiert am 12.05.2017)

Der halbe Sieg des Emmanuel Macron

Erwartungsgemäß hat Emmanuel Macron die Stichwahl um das Amt des französischen Staatspräsidenten gewonnen. Der dramatische Wahlkampf hat Emotionen aufgewühlt, wie nie zuvor in der Fünften Republik. Und schon jetzt zeichnen sich tiefgehende Umbrüche im politischen System ab.

Allerdings werden erst die Wahlen zur Nationalversammlung am 11. und am 18. Juni wirklich Aufschluss über die politischen Kräfteverhältnisse geben und damit über das, was der neue Präsident machen kann und was nicht. Daher werfen wir heute einen Blick auf die Kräfteverhältnisse vor den Parlamentswahlen und die sich daraus ergebenden Aussichten.

Auf den ersten Blick sieht Macrons Wahlergebnis mit knapp doppelt so viel Stimmen wie Le Pen überwältigend aus (s. Tabelle 1). Bei genauerem hinsehen werden aber bemerkenswerte Schwachpunkte des Siegers sichtbar. Das fängt damit an, dass Macrons Sieg im Vergleich zu dem von Chirac 2002, der in der Stichwahl damals gegen Marine Le Pens Vater 82% und 25,5 Millionen Stimmen holte, deutlich schwächer ausfällt. Jean-Marie Le Pen konnte seinerzeit zwischen erster und zweiter Runde nicht mal ein Prozent gegen Chirac zulegen.



Interessanter aber noch ist ein Blick auf die Wahlbeteiligung und die ungültigen Stimmen. So lag zum ersten Mal seit 1969 die Beteiligung bei der Stichwahl unter der der ersten Runde (s. [...]

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