Konjunktur | 17.05.2017

Die europäische und deutsche Konjunktur im Frühjahr 2017 – 2

Trotz Jubelmeldungen allenthalben, ist die europäische Industriekonjunktur in den letzten Monaten nur minimal vorangekommen. Es droht sogar ein neuer Rückschlag. Dass es der Politik immer noch gelingt, das zu verschweigen, ist unglaublich.

Die Industrieproduktion ist im März im gesamten Euroraum leicht gesunken (Abbildung 1). Das ist nun schon der dritte Wert in Folge, der nach unten zeigt, was schon fast als erneuter Rückschlag bezeichnet werden muss. Nur wegen der etwas besseren Entwicklung in Deutschland liegt das Niveau der Produktion heute leicht über dem Wert von 2011.


Abbildung 1


In Frankreich und Italien passiert weiterhin fast nichts; die leichte Belebung in Italien könnte schon wieder zu Ende sein.

Auch in Südeuropa deutet alles auf eine Fortsetzung des Stillstandes hin. Portugal und Spanien sehen eher wieder Abschwächungstendenzen, in Griechenland ging es im März nach einigen Monaten der Belebung wieder abwärts. Dass für Spanien im ersten Quartal wiederum ein BIP-Anstieg von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal „errechnet“ wurde, muss man nicht mehr kommentieren. Schlimm ist allerdings, dass solche Zahlen vollkommen unkritisch geschluckt werden.


Abbildung 2


In den drei kleineren nördlichen Ländern gibt es unterschiedliche Tendenzen (Abbildung 3). In Österreich und Belgien ist in den vergangenen Monaten wenigstens ein leicht erhöhtes Niveau der Produktion im verarbeitenden Gewerbe erreicht worden, auch wenn es zuletzt nicht mehr aufwärts geht. In den Niederlanden ist es jedoch erneut zu einem Rückschlag gekommen, und es ist nun wieder vollkommen unklar, ob das Land die seit 2011 anhaltende schwere Industrierezession überwinden kann.


Abbildung 3


In Nordeuropa bleibt es bei der Schwäche Finnlands und Norwegens, allerdings schein es in Schweden nun auch in der Industrie etwas besser zu laufen (Abbildung 4). Dänemark bleibt aber das einzige Land, das nun das Niveau von 2011 endgültig hinter sich gelassen hat.


Abbildung 4


Im Baltikum stehen die Zeichen weiter auf Aufschwung, auch wenn Litauen im März einen leichten Rückschlag verkraften musste. Estland dagegen sah einen neuen Schub bei der Industrieproduktion. Wir haben allerdings schon oft gesagt, dass in so kleinen Ländern schon die Produktion eines einzigen großen westlichen Unternehmens solche Bewegungen auslösen kann, so dass sie schwer zu kommentieren sind.


Abbildung 5


In den mittelgroßen osteuropäischen Ländern geht es ebenfalls langsam weiter aufwärts (Abbildung 6). Überall hat sich eine aufwärts gerichtete Tendenz durchgesetzt, die vermutlich mit der Schwäche des Euro und der übrigen an ihn mehr oder weniger fest gekoppelten Währungen gegenüber dem Dollarraum zu tun hat.


Abbildung 6


Das gilt auch für Rumänien, Bulgarien und Kroatien, wo doch immerhin leichte Belebungen zu registrieren sind (Abbildung 7). Das ist allerdings alles vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Rückstandes dieser Länder nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.


Abbildung 7


In den kleinsten Ländern Malta und Zypern sowie in Irland (Abbildung 8) gibt es keine derartige Belebung, wenn man vor Irlands einmaligem Aufschwung im Jahr 2015 absieht (der vermutlich auch westlichen Unternehmen zuzuschreiben ist, die dort ihre Produktion starteten).


Abbildung 8


Lesen Sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und was von der verbreiteten Aufschwungseuphorie, die sich vorwiegend auf Stimmungsindikatoren stützt, zu halten ist.

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