Soziales | 23.05.2017

Entmenschlichte Flüchtlingspolitik

Die „Flüchtlingskrise“ ist nicht vorbei. Doch sie wurde mithilfe von Unternehmensberatungen bürokratisiert und aus der öffentlichen Wahrnehmung entfernt. Über fragwürdige Ablehnungsgründe und die zahlenfixierte Hochleistungsmaschine BAMF.

Aus sichtbaren, menschlichen Schicksalen wurden Zahlen gemacht. Zahlen, die mithilfe von Methoden zur Effizienzsteigerung oder mit „Prozessbeschleunigungsmaßnahmen“ abgebaut werden sollen. Psychisch Kranke, Vergewaltigungsopfer und Kriegsflüchtlinge werden in den Mühlen der auf Effizienz getrimmten Behörden entmenschlicht und zurück ins Elend geschickt. Kurz: Die Bundesregierung macht AfD-Politik – in vorauseilendem Gehorsam und aus Angst, die Gunst einiger Wähler zu verlieren.

Keine Einzelfälle …

Ali Hamed (Name geändert) kommt aus Afghanistan. Das Haus seiner Familie wurde drei Mal von Taliban-Truppen angegriffen. Beim zweiten Angriff wird Hamed angeschossen. Er erhält Drohanrufe und wird an mehreren Orten bedroht. Er löst sein Geschäft auf und flieht über den Iran nach Deutschland. Hier stellt er einen Asylantrag. Der Antrag auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft wird abgelehnt, weil Hamed laut dem  Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) innerhalb Afghanistans hätte umziehen oder sich an die afghanischen Sicherheitskräfte hätte wenden können.

Marjam Bhezad ist Hebamme in Afghanistan. Sie wird zu einer Geburt gerufen. Mutter und Kind schweben in Lebensgefahr. Das Kind stirbt bei der Geburt. Danach verändert sich Bhezads Leben für immer. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden