Kommentar | 16.05.2017 (editiert am 20.05.2017)

Neoliberale oder linke Bildungspolitik?

Nach dem Willen der OECD sollen die europäischen Bildungssysteme ihre Eigentümlichkeiten verlieren, um international genormtes Humankapital hervorzubringen. Paradox, dass ausgerechnet von links mit der Parole vom „gemeinsamen Lernen“ die konsequenteste Hingabe an dieses Prinzip kommt.

Was rechts und links sind, weist die traditionelle parlamentarische Sitzordnung aus. Ganz links ist Die Linke und ganz rechts könnte „Die Rechte“ sitzen, aber was rechts ist, gibt sich lieber mittig oder völkisch. Außerdem – was ist heute rechts? „Konservativ“ war einmal, heute müsste es heißen: „neoliberal“.

Denn war einst „konservativ“ an das unternehmerische Besitzbürgertum, das die Macht ausübte, geknüpft, so ist heute die Macht globaler und diffuser verteilt und mit dem transnationalen Finanzkapital und den Großkonzernen eng verbunden. Deren Programm und Ideologie ist der Neoliberalismus, der in den Anfängen von dem Schauspieler Ronald Reagan und der „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher verkörpert wurde. Das internationale Medium seiner Verbreitung ist die OECD mit ihrer Humankapitaltheorie.

Was heißt „gemeinsam“ in der Realität?

Nach Willen der OECD sollen die europäischen Kulturräume und ihre Bildungssysteme ihre Eigentümlichkeiten verlieren, um international genormtes und optimal verwertbares Humankapital hervorzubringen. Die Testindustrie um PISA hat es schließlich geschafft, die nationalen Bildungssysteme dementsprechend neu zu lenken. [...]

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