Kommentar | 30.06.2017

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Probleme moderner Finanzsysteme mithilfe ordnungspolitischer Vorstellungen lösen zu wollen, die auf der Wirtschaftsweise des Spätmittelalters beruhen, sind zum Scheitern verurteilt. Fallbeispiel Bankenunion.

Die sogenannte Abwicklungsrichtlinie ist Teil eine EU-Reformwerks, das man als Bankenunion bezeichnet und deren erklärtes Ziel es ist, die Finanzstabilität in der der EU zu verbessern. Schon in meinem Artikel „Über Banken: Moral, Markt und Politik“ habe ich argumentiert, dass es sich dabei um den Versuch handelt, mit moralisch aufgeladenen Konzepten, die üblicherweise bei der Regulierung des Handelns von Individuen Anwendung finden, ein systemisches Problem in den Griff zu bekommen.

Der Ehrbare Kaufmann

Die bisherigen Reaktionen der Politik auf die Finanzkrise sind als Wiederbelebung einer soziologischen Figur zu interpretieren, die, wie Werner Polster richtig schreibt, ihren Platz in der „Wirtschaftsweise kleiner eigentümerbasierten Warenproduzenten und Händler“ hatte und die „wirtschaftsgeschichtlich ihr Dasein in der Zeit zwischen dem Spätmittelalter und dem frühen 19.Jahrhundert“ fristeten (S. 29).

«Die Rede ist von der Figur des ‚Ehrbaren Kaufmanns‘. Auf der Landkarte des soziologischen Personals hatte der außenstehende Betrachter diese Figur eher in der umliegenden Region, eben der Provinz, vermutet, vielleicht in einer Maschinenbau-Gemeinde Süddeutschlands, wo es solche patriarchalischen Figuren aus den mittelständischen Unternehmen in den Gemeinderäten geben soll,

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