EU | 13.06.2017 (editiert am 14.06.2017)

Austerität in Irland – Drama in fünf Akten

Irland ist der Glücksfall der Troika. Nur zu gern verweisen EU, EZB und IWF auf ihr Vorzeigeprojekt. Wenn nur jedes Land mit der gleichen Entschlossenheit den Staatshaushalt zusammenkürze und die Steuern erhöhe, werde schon bald alles gut werden.

Ein Drama beginnt mit der sogenannten Exposition. Die wichtigen Akteure werden eingeführt und das Konfliktpotential des Stücks wird aufgezeigt.

Erster Akt: Die Bankenkrise

Die Erklärungsansätze für die Bankenkrise in Irland sind vielfältig. Auf der Insel im Atlantik sanken angesichts der Einführung des Euro die Zinsen. Die nun niedrigeren Finanzierungskosten wurden vor allem für den Häuser- und Wohnungsbau genutzt. Zur Veranschaulichung: Im Jahr 2006 wurden in Irland 93.419 Wohneinheiten fertiggestellt – 2010 nur noch 14.602. Die Banken spielten als Geldgeber für den endlosen Häuserbau bereitwillig mit, sodass die drei größten irischen Banken im Jahr 2007 Assets in Höhe von 400 Prozent des irischen BIPs besaßen.

Gerne wird dahingehend versucht, das zügellose Verleihen von Geld auf die Gier einiger Banker zurückzuführen, welche durch implizite Garantien des Staates davon ausgehen konnten, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert würden. Gier spielte hier sicher eine Rolle, doch nach dieser Logik würde es für die Zukunft ausreichen, die Banker einfach auszuwechseln. [...]

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