Theorie | 07.06.2017

Digitale Denkfallen

Zwischen Utopie und Dystopie liegt keine große Distanz: beide folgen dem gleichen, extrem verkürzten Technikverständnis. Sie unterscheiden sich nur in den Bewertungen und Hoffnungen, die sie mit Entwicklungen verbinden.

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich Gelegenheit, vor der Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE eine kurze Stellungnahme zu den Folgen dessen abzugeben, was gegenwärtig unter Titeln wie Digitalisierung, Industrie 4.0, Arbeiten 4.0. etc. diskutiert wird. Vorausgegangen war dem eine zunehmende Uneinigkeit über die angemessene Reaktion auf das Grünbuch des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) mit dem Titel Arbeiten 4.0 [BMAS 2015].

Dabei hatte sich eine Gruppe herausgehoben, die mit der Digitalisierung einen Produktivitätsschub kommen sieht. Ein Schub, der – indem er massenhaft Arbeitsplätze vernichten würde – nicht nur das Normalarbeitsverhältnis zur Ausnahme machen und damit völlig entwerten würde. Zugleich würde er einerseits die bisherigen sozialen Sicherungssysteme austrocknen, doch andererseits neue Chancen freier Lebensgestaltung eröffnen.

Dem stand die Position gegenüber, dass dies nicht nur keine zwangsläufigen Folgen der Digitalisierung wären, sondern dass es dafür bisher auch keine starken Anzeichen gäbe. Diese Auseinandersetzung zeigt, wie weit die Denkfiguren des digitalen Utopismus, wie er prominent durch Autoren wie Paul Mason, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden