Soziales | 22.06.2017

Digitaler Idealismus und Grenzkosten-Fehlschluss

Digitale Utopisten verstehen nicht, dass Informationssysteme gleichzeitig soziotechnische Systeme sind. Sie sehen daher nicht, dass die Entwicklung und Fertigung von Produkten ein gesellschaftlicher Prozess ist, der der politischen Steuerung bedarf.

Zum Kern des digitalen Utopismus gehört die Überzeugung, dass das Wesen aller Dinge aus Information besteht. Genauer: in digitaler Form vergegenständlichter Information. Sie ist Ausfluss der Kalifornischen Ideologie, in der sich Strömungen der Gegenkultur der 1960er und 1970er mit dem Neokonservativismus der 1980er zur schicksten Variante des Neoliberalismus vereinigten [Barbrook, Cameron 1995; Dammbeck 2005; Turner 2006].

In der Reduktion aller Dinge auf digitale Daten liegt auch deren Anschlussfähigkeit zum Transhumanismus, der Religion der kalifornischen Milliardäre. Die Transhumanisten hoffen darauf, durch den ‚Upload‘ ihres Bewusstseins in den Cyberspace Unsterblichkeit zu erlangen [Wagner 2015]. Den digitalen Utopisten geht es wie dem sprichwörtlichen Mann mit dem Hammer, für den alles wie ein Nagel aussieht: Paul Mason z. B. möchte Wohlstand und Wohlbefinden der Gesellschaft steigern

„by prioritizing information-rich technologies towards solving major social challenges, such as ill health, welfare dependency, sexual exploitation and poor education“ [Mason 2015, 269].

Dass die Ursachen solcher Probleme in ganz anderen Dimensionen liegen, [...]

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