Theorie | 16.06.2017 (editiert am 19.06.2017)

€pa und der Goldstandard

Die Unfähigkeit, die Regeln des Goldstandards aufzugeben, wird heute als eine der Hauptursachen der Großen Depression erachtet. Die institutionelle Ausgestaltung des Euro jedoch erfordert eine Fiskal- und Wirtschaftspolitik, die diesen Regeln frappant ähneln.

«Die Gedanken der Ökonomen und Staatsphilosophen, seien sie richtig oder falsch, sind einflussreicher als gemeinhin angenommen wird. Die Welt wird in der Tat durch nicht viel anderes regiert.» – John Maynard Keynes

Keynes vertritt ganz offensichtlich eine Meinung, die der von Karl Marx diametral entgegengesetzt ist: Das Bewusstsein bestimmt das gesellschaftliche Sein. Es sind nach Meinung von Keynes primär normative und empirische Ideen darüber, wie die gesellschaftliche Welt organisiert ist bzw. sein sollte, die die real existierenden gesellschaftlichen Verhältnisse und ihre problematischen Aspekte erklären.

Die Deregulierung der Finanzmärkte, die der neoklassischen Theorie zufolge das Finanzsystem deutlich effizienter und resistenter machen sollte, nur um es nach Jahren wilder Exzesse kollabieren zu sehen, oder die Austeritätspolitik, die inmitten einer Rezession Wunder wirken soll (die es bisher noch nie gegeben hat), zeigen, dass solche wirklichkeitswirksamen Gedanken auch Ideologien sein können. Falsche Gedanken, die – obwohl logisch und empirisch nicht zu halten – aber Interessen von mächtigen gesellschaftlichen Gruppen zumindest kurzfristig befördern.

Höchst interessante Einblicke über die Macht destruktiver Ideen in der Vergangenheit bietet dabei ein Studium der Goldstandard-Mentalität aus der Zwischenkriegszeit, [...]

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