Demokratie und Staat | 09.06.2017 (editiert am 25.07.2017)

Faschismus – eine Wiederkehr?

Glaubt man den medialen Kassandra-Rufen, scheint der Faschismus in den westlichen Industrienationen wieder aus der verschlossen geglaubten Gruft der Geschichte aufzuerstehen.

Ob Donald Trump in den USA, der Front National in Frankreich, Viktor Orban in Ungarn oder die PiS in Polen – in den demokratischen Kernländern Europas und den USA erwacht, so vernimmt man, der (Neo)Faschismus. Ein Attribut, das in immer mehr Analysen und Kommentaren vorbehaltlos übernommen wird, wenn es um die Einordnung des Phänomens „rechtspopulistischer“ Parteien geht.

Im Falle des Front National dürfte das Ganze wohl nicht unwesentlich Luc Melénchon losgetreten haben. Melénchon, damals Kandidat des Wahlbündnisses Front de gauche, hatte 2012 während des Präsidentschaftswahlkampfes im Fernsehen Marine Le Pen gefragt:

„Warum glauben Sie, dass das französische Volk das einzige Volk sein soll, das eine Faschistin an der Spitze haben will?“

Kein Wunder also, das nun vor allem linke Publikationen kaum hinter dem Berg halten: „Faschismus mit modernen Gesicht“, titelte etwa Marx21, „kein Fußbreit dem Faschismus“ das Neue Deutschland.

Doch auch für die bürgerliche Presse wie das Handelsblatt ist die Frage „Wie faschistisch ist die Partei von Marine Le Pen“ allenfalls eine rhetorische, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden