Soziales | 09.06.2017 (editiert am 10.06.2017)

Von der digitalen Utopie in die Realität

Seit sich das Internet über die engeren Zirkel der IT-nahen Wissenschaft und Technik ausdehnt, gehen damit weitreichende Versprechen einher. Doch davon ist wenig übrig geblieben.

Die Digitalisierung und das Netz befreiten die Menschen von allen Beschränkungen – denen von Raum und Zeit ebenso wie den politischen, sozialen und ökonomischen, so wird versprochen. Sie ermächtigten zu autonomem Handeln und zur Bildung freier Assoziationen, indem sie neue, persönliche Werkzeuge an die Hand gäben. Unabhängig vom Lohnarbeitsverhältnis würden die Menschen für ihren Bedarf bzw. den der Gesellschaft produzieren können.

Das Netz sei, da unkontrollierbar, auch nicht zensierbar und deshalb, völlig unabhängig davon, wo sie sich körperlich befänden, der ideale ‚Ort‘, an dem Menschen sich selbstbestimmt zu alternativ produzierenden Gemeinschaften zusammenfinden könnten.

Netz, Raum und Verkehr

Dass die weltweite digitale Vernetzung zur Auflösung der räumlichen Strukturen führen würde, die sich zum Beispiel in Europa seit dem Mittelalter herausgebildet haben, gehört seit den 1990ern zu den Glaubenssätzen des digitalen Utopismus. Wenn die Präsenz im virtuellen Raum die im physischen zunehmend ersetze, würden Verdichtungsräume sich auflösen und Verkehr überflüssig werden.

Die letzten Jahrzehnte belegten eindrucksvoll, dass das Gegenteil der Fall ist. Nicht nur nehmen Verkehr und Verstädterung weltweit zu, [...]

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