Kommentar | 30.06.2017

Warum Bankbilanzen lügen

Eine Bank hat im Gegensatz zu allen anderen Unternehmensformen die Möglichkeit, ihre Ausgaben mit selbst geschaffenen Geld zu bezahlen. Hierzu benötigt sie weder Eigenkapital noch Spareinlagen.

Inzwischen wurde auch von der Bundesbank zugestanden, dass unter anderem bei einer Kreditvergabe Geld geschaffen wird. Die bekannte Buchung einer Kreditvergabe durch die Geschäftsbank lautet:

  • per Kreditforderung an Kunden-Einlage!

Mit dieser Buchung wird die Giralgelderzeugung erfolgreich verschleiert. Die Buchung ist mit der Gleichung:

  • 1 = 1

vergleichbar. Beides ist richtig und gleichzeitig bedeutungslos. Die Frage, woher denn die Kunden-Einlage kommt, wird erstaunlicherweise meist nicht gestellt!

Die oben aufgeführte Buchung erfüllt die Anforderung der doppelten Buchführung in dem Sinn, das die Werte im Soll und Haben identisch sind. Damit geben sich die klugen Bilanzprüfer zufrieden und testieren die Bilanzen der Geschäftsbanken als ordnungsgemäß.

Die Übersetzung der obigen Buchung für die Menschen, die sich nicht in Buchführung auskennen, lautet, dass der Kreditnehmer bei der Geschäftsbank eine Schuld hat, die Geschäftsbank aber die Leistung nicht erbracht hat. Im Gegenzug für diese Einbuchung von Forderungen der Bank gegenüber dem Kunden und des Kunden gegenüber der Bank werden vom Kreditnehmer meist die Stellung von Sicherheiten verlangt. Von den zu zahlenden Zinsen gar nicht zu sprechen.

Die angeblich konkrete Leistung der Geschäftsbank bei der Weiterbuchung der sogenannten Kunden-Einlage auf ein anderes Konto führt, wenn dieses Konto bei der gleichen Geschäftsbank geführt wird, von NULL Aufwand bis zu dem eventuell ungünstigen Fall, das im Tagesabschluss der Geschäftsbank ein negativer Saldo gegenüber einer anderen Geschäftsbank entsteht, den sie dann per Interbanken-Kredit oder EZB-Geld ausgleichen muss. Das kann aber am nächsten Tag auch schon wieder umgekehrt sein und die Belastung dürfte sich im Jahresverlauf auf Bruchteile der im Geschäftsjahr erzeugten Giralgeld Summe belaufen.

Wenn sich alle Geschäftsbanken vergleichbar verhalten, tendiert dieser Saldo zu NULL. Stellen Sie sich vor, es gäbe nur EINE Geschäftsbank in Deutschland, dann wäre dieser Saldo IMMER NULL (dabei natürlich unterstellt, der Außenhandel ist ausgeglichen). Die echten Kosten einer Geschäftsbank sind dann aber ebenfalls NULL!

Da eine Geschäftsbank aber buchungstechnisch alle ihre Ausgaben per Giralgelderzeugung begleichen kann, stellt sich eine weitere Frage. Wie ist es möglich, dass die Bank Gewinne in ihrer Bilanz ausweisen kann, die es ihr dann wiederum ermöglicht, Ausschüttungen an Aktionäre vorzunehmen.

Die echten Kosten einer Bank

Alle ausgabewirksamen Kosten (einschließlich Löhne und Gehälter) werden per „Geldschöpfung“ bezahlt. Die restlichen sogenannten „kalkulatorischen Kosten“ dienen nur der zeitlichen Verschiebung der Steuerschuld. Wenn aus den „kalkulatorischen Kosten“ echte Kosten werden, sind damit wie bei den ausgabewirksamen Kosten in der Realwirtschaft immer Vermögensreduzierungen verbunden, die eine Geschäftsbank wie beschrieben per „Geldschöpfung“ ausgleicht.

Dass die Kostenbuchung einer Bank, wie etwa bei der Gehaltszahlung, mit dem Buchungssatz

  • „per Gehaltskosten (Passivkonto-Gewinn=Eigenkapital) an Sichteinlage (Passivkonto-Schulden gegenüber Angestelltem)“

keine echten Kosten darstellen, ist gut im Vergleich mit der Realwirtschaft zu sehen. In der Realwirtschaft muss die Schuld „Gehaltsverbindlichkeit“ nämlich immer mit einer Vermögensreduzierung (Kassen- oder Bank-Konto) beglichen werden. Bei der Bank passiert dies nur selten, da die Sichteinlage des Gehaltsempfänger meist nur an einen anderes Sichteinlage-Konto weitergebucht wird. Vergleichbar wird es für die Bank nur dann, wenn der Mitarbeiter sein Gehalt in BAR abhebt.

Der Unterschied im Buchungsverlauf bei der Kostenbuchung (per Kosten an Einlage) ist die nicht stattfindende Bilanzverlängerung, da beide Konten (Kosten und Einlage) Passivkonten sind und damit nur eine Umbuchung erfolgt. Der einzige Kostenverursacher einer Bank ist die tägliche Frage, wie lautet das Vorzeichen des Saldos, der sich im Tagesgeschäft mit den anderen Geschäftsbanken gebildet hat und für den sie eventuell EZB-Geld benötigt und vielleicht Zinsen bezahlen muss. Bei den heutigen Null-Zinsen der EZB ist hier aber nicht mehr viel zu rechnen.

Auch die Behauptung, dass eine Geschäftsbank das erzeugte Giralgeld einer anderen Bank nicht akzeptiert, ist damit widerlegt. Nur der sich ergebende Saldo wird eventuell in EZB-Giralgeld verlangt. wobei die Banken sich im Normalfall gegenseitig kreditieren. Diese, auch in der Wissenschaft gemachte, Aussage ist also sachlich nicht zutreffend.

Der gleiche Buchungsablauf wie bei der Kreditvergabe passiert auch bei dem Kauf eines Anlagegutes durch die Geschäftsbank. An Stelle des Kontos Kreditforderung wird jetzt das Anlagekonto im Soll gebucht, aber die Haben-Buchung ist identisch. Die Frage, die hier auftaucht, ist identisch zum Kreditausfall:

Wieso wird ein durch „Geldschöpfung aus dem Nichts“ erworbenes Anlagegut (also praktisch geschenkt) per Abschreibung mit entsprechender Gewinnminderung steuerwirksam zu Gunsten der Privatbank verbucht?

Wo ist die Gewinnbuchung (und die darauf gezahlte Steuer), die diesen Kauf ermöglicht hat?

Die Geldschöpfung und ihre Auswirkung auf den Gewinn

Wer noch nicht verstanden hat, warum die obige Buchung eine Verschleierung des Sachverhalts „Gewinn aus Geldschöpfung“ ist, stelle sich einen vergleichbaren Vorgang in einem normalen Unternehmen vor. Hier wird eine Ware oder Leistung auf Rechnung verkauft und die Buchung lautet:

  • per Kundenforderung an Umsatzerlöse.

Das Konto Umsatzerlöse ist ein Konto der Gewinn- und Verlustrechnung. Und der Umsatz stellt bei einer ohne Kosten erzeugten Leistung (wie der Bankkredit) im vollem Umfang „Gewinn“ dar.

Wieso wird die stattfindende „Geldschöpfung“ nicht als Gewinn ausgewiesen, während der Forderungsausfall sofort als Verlust verbucht wird?

Die Verschleierung besteht in dem Nicht-Ausweis des Gewinns aus der Geldschöpfung. Wenn die Geschäftsbank wie folgt buchen würde, wäre dies nicht möglich:

  1. Buchung: Per Kreditforderung an Umsatzerlöse aus Kreditvergabe
  1. Buchung: Per Giralgeld (entspricht dem Kassenkonto) an Kundeneinlagen

Mit dieser Buchung wird der Gewinn aus der Giralgelderzeugung ausgewiesen und gleichzeitig die wahre Gewinnsituation einer Geschäftsbank offengelegt. Dieser Geldschöpfungsgewinn entspricht der Seigniorage, die auch bei der Zentralbank im Rahmen der Erzeugung von Papiergeld (= gesetzliche Zahlungsmittel) anfallen würde abzüglich der Druckkosten für die Geldscheine. Beim Münzgeld (=Münzregal) entsteht dieser Gewinn tatsächlich in der Staatskasse.

Der jetzt sofort vorgebrachte Einwand der Privatbanken, der Umsatz=Gewinn wird ja erst mit der Kreditrückzahlung real (was übrigens jedem normalen Unternehmen beim Verkauf auf Rechnung gleichermaßen passiert), ist leicht mit einer entsprechenden Passiven Rechnungsabgrenzung auf die Zeitachse zu verteilen und damit steuerlich entsprechend zu bewerten. Die Buchung würde lauten:

  • Per Umsatzerlöse an Passive Rechnungsabgrenzung.

Auf dem Konto Passive Rechnungsabgrenzung sammeln sich die noch nicht getilgten Kredite.

Keine Bankkrise mehr bei Kreditausfällen

Was sofort erkennbar ist, dass die Gefahr einer Bankpleite durch Kreditausfälle nicht mehr existiert. Die entsprechende Buchung für den Kreditausfall würde dann lauten:

  • Per Passiver Rechnungsabgrenzung an Kreditforderung.

Das vorher geschaffene Giralgeld bleibt weiterhin erhalten, da es ja inzwischen jemand anderem gehört. Es vermindert sich nur der noch nicht versteuerte Gewinn aus der Giralgeld-Schöpfung.

Mit dem obigen Buchungsverfahren könnte das gesamte Geld- und Finanzsystem in heutiger Form erhalten bleiben, es würden aber die Gewinne zum Nutzen der Allgemeinheit sichtbar und die darauf zu erhebenden Steuern dem Staat und damit seinen Bürgern zu gute kommen.

Das heute übliche Jammern aller Publikationen und natürlich vorne weg der Geschäftsbanken im Falle von Kreditausfällen hätte sich damit erledigt. Es ist sowieso nicht verständlich, warum eine ohne Gewinn erzeugte Kreditvergabe plötzlich beim Ausfall der Rückzahlung zu einem Verlust führt. Das ganze basiert letztlich auf der fehlerhaften Verbuchung des Kreditvorganges und das ist die Verschleierung, von der oben gesprochen wurde.

Der Gewinn der Zentralbank

Der Vorgang der Geldschöpfung wird übrigens in den Zentralbanken ebenfalls verdeckt.

Nur im Falle des Münzgeldes, welches im Auftrag des Staates (Münzregal) erzeugt wird und der Zentralbank gewissermaßen zum Nennwert „verkauft“ wird, ergibt sich der „Gewinn = Seigniorage“ aus der Differenz der Herstellkosten zum Nennwert und kommt uns allen zu Gute.

Beim Papiergeld wird das gedruckte Bargeld nach Empfang in der Bank NICHT als Bestand mit der Buchung

  • Per Kasse an Eigenkapital

vereinnahmt, sondern wird erst nach Ausgabe des Bargeldes an eine Privatbank wieder mit der gleichen Buchung wie oben

  • Per Kreditforderung (an eine Bank) an Sichteinlage (dieser Bank)

verschleiert. Die Ware „Bargeld“ wird damit nie in der Bilanz der Zentralbank gezeigt. Bei einer Rückführung von Bargeld an die EZB wird entgegengesetzt gebucht. Das physisch vorhandene Bargeld verschwindet ohne Bilanzausweis im Tresor. Die Bestände werden sicherlich in einer nicht in der Bilanz aufgeführten Nebenrechnung verwaltet.

Die Geldschöpfung von Zentralbank-Giralgeld läuft buchungsmäßig gleichermaßen ab wie bei den Privatbanken. Der dabei entstehende „Geldschöpfungsgewinn“ wird genauso „verschleiert“ wie in der oben beschriebenen Privatbank-Geldschöpfung.

Da erwiesenermaßen Zentralbanken nicht in Konkurs gehen können (siehe auch die jahrelang im Minus geführte Zentralbankbilanz des tschechischen Staates), dient diese buchmäßige Verschleierung nur der falschen Argumentation, eine entsprechende Maßnahme hätte wieder „viel Geld“ gekostet, was die Zentralbank aber dank ihres volkswirtschaftlichen Auftrages problemlos selber herstellen kann.

Die derzeitige Aufkaufaktion von Staatsanleihen der EZB zeigt dies in aller Deutlichkeit. Die Frage, warum sich der Staat bei Privatbanken verschulden muss, ist damit mehr als berechtigt.

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