Kommentar | 05.07.2017 (editiert am 12.07.2017)

Die Freiheit des Spektakels

Zwischen Subversion und Hörigkeit, Diktatur und Freiheit, Kunst und Propaganda. Wie Grenzen verschwimmen können, zeigt das Zentrum für Politische Schönheit.

„Der Tag der Abrechnung ist gekommen“, stand auf einem am Boden des Lichthofs der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität liegenden Flugblatt, „der Abrechnung der deutschen Jugend mit der verabscheuungswürdigsten Tyrannis, die unser Volk je erduldet hat.“ Und, so las man auf den mit Schreibmaschine geschriebenen Zeilen weiter:

„Im Namen der ganzen deutschen Jugend fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut der Deutschen zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen hat.“

Verfasst wurde dieses sechste und letzte Flugblatt von der „Weißen Rose“ 1943. Die Widerstandsgruppe entstand ein Jahr zuvor auf Initiative von Alexander Schmorell sowie den Geschwistern Hans und Sophie Scholl. Nach anfänglicher Begeisterung für den Nationalsozialismus registrierten die Studenten, in „einem Staat rücksichtsloser Knebelung jeder freien Meinungsäußerung“ aufgewachsen zu sein.

Fast ein dreiviertel Jahrhundert später zeigt ein Video des Künstlerkollektivs „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS), wie dieser Staat, die bayerische Heimat der Scholls, zu einem Hort der freien Meinungsäußerung mit Exportlizenz geworden ist. Eine sendungsbewusste deutsche Jugend kann sich mit der persönlichen Freiheit schmücken, die die Weiße Rose einst gefordert und mit ihrer Hinrichtung bezahlt hatte. [...]

Nichts schreibt sich von allein!

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