Konjunktur | 12.07.2017

Die Konjunktur in Deutschland und Europa – 1

In Deutschland ist eine aufwärtsgerichtete wirtschaftliche Entwicklung zu konstatieren. Allerdings wird sie in erster Linie von steigenden Exporten in Länder der Eurozone getragen.

Die wirtschaftliche Entwicklung in der deutschen Industrie ist auch im Mai aufwärtsgerichtet gewesen. Die Auftragseingänge sind insgesamt leicht gestiegen (Abbildung 1). Dafür waren auch Großaufträge verantwortlich, aber dennoch ist zu konstatieren, dass sich die konjunkturelle Lage dank der steigenden Auslandsaufträge weiter verbessert.


Abbildung 1


Dagegen ist die Entwicklung der Inlandsnachfrage, wie die Abbildung 1 ebenfalls klar zeigt, mehr als enttäuschend. Alles, was man als Aufschwung interpretieren konnte, ist inzwischen wieder verlorengegangen. Die Kurve liegt wieder klar unter dem Niveau von 2011. Das ist die eigentliche Bankrotterklärung der deutschen Wirtschaftspolitik: Trotz jahrelanger Versicherungen in Deutschland und gegenüber den internationalen Partnern, ist Deutschland jeden Versuch schuldig geblieben, die Binnennachfrage anzuregen.

Wer nur, wie das in der deutschen Presse üblich ist, die Indikatoren insgesamt betrachtet, kann von einem Aufschwung reden, weil sowohl der ifo-Index als auch die Auftragseingänge insgesamt eine Aufwärtsbewegung anzeigen. Doch das ist wieder einmal ein geborgter Aufschwung, weil die gesamte Dynamik, die zudem noch schwach ist, aus dem Ausland kommt.


Abbildung 2


Die Unterscheidung in Auftragseingänge aus dem europäischen und nicht-europäischen Ausland (Abbildung 3) zeigt zudem, wir hatten das im vergangenen Monat ausführlich kommentiert, dass die Impulse vor allem aus Europa kommen. Im Mai ging es zwar auch aus den nicht-europäischen Ausland leicht nach oben, ob sich daraus aber eine neue Aufwärtsbewegung ableiten lässt, ist noch abzuwarten.


Abbildung 3


Betrachtet man die einzelnen Zweige der Industrie zeigt sich ein nahezu unverändertes Bild zum Vormonat (Abbildung 4). Der einzige Zweig, der beständig nach oben zeigt, ist die  Datenverarbeitung. Alle übrigen, mit Ausnahme der Kraftfahrzeugindustrie, stagnieren etwa auf oder sogar unter dem Niveau, das sie schon 2011 erreicht hatten. Der deutsche Maschinenbau, einst die am stärksten zyklisch ausgerichtete Branche, zeigt sonnenklar, dass es keinen Zyklus mehr gibt, weil der Staat nicht begreift, was seine Rolle bei der Stabilisierung der Konjunktur ist.


Abbildung 4


Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ist im Mai klar gestiegen, weil die Industrieproduktion zugelegt hat. In der Bauwirtschaft ist nach dem statistischen Sprung vom Februar nicht mehr passiert, die Produktion stagniert auf dem durch die statische Umstellung neu erreichten Niveau.

Lesen sie im zweiten Teil, wie sich die europäische Konjunktur entwickelt.

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